Appell an Jäger: „Putzt eure Flinten und schießt mehr“
18.04.2011 | 17:57 Uhr 2011-04-18T17:57:00+0200
Warstein. Recht turbulent begann jetzt die Jahreshauptversammlung des Hegerings Warstein. Bürgermeister Manfred Gödde hatte eine hitzige Debatte angestoßen. Das brisante Thema: Verbissschäden und wie die Jäger dagegen vorgehen.
Nachdem der Jagdhornbläserchor mit dem Lied „Begrüßung“ die Versammlung eröffnet hatte und der Hegeringsleiter Ulrich Appelhoff alle Gäste und Mitglieder begrüßt hatte, gab er das Wort gleich an Bürgermeister Gödde, der zu Verbissschäden im Kommunalen Forst Stellung nahm.
„Ich bin nicht nur Chef von 28 000 Einwohnern sondern auch von 500 Hektar kommunalen Wald. Wir haben enorme Schäden durch Wildverbiss, von zehn nachgepflanzten Buchen nach Kyrill sind acht angefressen. Das Vermögen unserer Stadt wird dadurch geschmälert. Das kann und darf nicht sein. Putzt eure Flinten und schießt mehr“, forderte Gödde.
Kritik an Bürgermeistern
Dies trieb den ersten Kreisvorsitzenden Jürgen Schulte-Derne auf den Plan. „Jäger sind immer gesprächsbereit. Es kann nicht sein, dass Sie, Herr Gödde, mit ihren Kollegen aus Rüthen und Brilon einen Brief zu diesem Thema an den Minister zu schicken, ohne ein einziges Mal das Gespräch mit uns gesucht haben“, sagte Schulte-Derne.
„Im letzten Jahr haben wir schon eindringlich auf das Thema hingewiesen und dementsprechend die Abschusslisten erstellt mit der Option einer Nachlistung, die immer gewährt wurde. Lassen Sie uns miteinander reden und nicht übereinander“, waren die klaren Worte des Kreisvorsitzenden an den Bürgermeister.
Es entwickelte sich eine rege Diskussion, viele Jagdpächter möchten es nicht generalisieren, dass so viel Wild im Wald ist. Vorsitzender Appelhoff berichtete, dass er sich mit zwei weiteren Kollegen die Mühe gemacht hat, ein Tagesbuch zu führen. „Wir haben 160 Stunden angesessenen, ohne ein Reh gesehen zu haben. Wir bezahlen der Stadt eine nicht unerhebliche Pacht, um uns dann sagen zu lassen, dass wir zu wenig schießen. Es ist kaum möglich, so viel zu schießen“, kritisierte Appelhoff, der große Zustimmung aus der Versammlung erhielt.
„Geheime Ungeheungsstraße“
Der Kreisvorsitzende bestand an diesem Abend auf ein Treffen mit dem Bürgermeister, dem Förster und dem Hegering. „Wir können angesichts dieser Problematik nicht einfach so auseinander gehen“, so Jürgen Schulte-Derne. Als einen unhaltbaren Zustand schilderten die die Jagdpächter die „geheime Umgehungsstraße“ in der Romeke Richtung Sichtigvor und Hirschberg, auf täglich an die 30 Fahrzeuge fahren. Da eine Ordnungswidrigkeit vorliegen würde, werde diesem Punkt nachgegangen, versprachen Manfred Gödde sowie Förster Henning Dictus.
Anschließend sprach Bürgermeister Manfred Gödde das Thema Windparks im Wald an. „Ich habe die ersten Anfragen vom privaten Waldbesitzern. Durch die Situation in Japan müssen wir uns damit befassen. Wenn wir so etwas machen, dann aber auf städtischen Boden, damit die Stadt den Nutzen hat“, so Gödde.
Nach dem stürmischen Beginn stimmte die Versammlung einer Satzungsänderung für die Gemeinnützigkeit zu. Bei dem Jahresrückblick appellierte Ulrich Appelhoff an die Mitglieder, sich stärker an den einzelnen Aktionen zu beteiligen; bisher sei die Teilnahme sehr gering gewesen.
Vorsitzender bleibt noch ein Jahr
Bei den Wahlen wurde der Schriftführer Georg Grewe für weitere vier Jahre einstimmig gewählt, das Amt des zweiten Vorsitzenden übernimmt der Allagener Uwe Paschedag von Rolf Weber. Aus beruflichen Gründen wollte Ulrich Appelhoff vorzeitig das Amt des ersten Vorsitzenden niederlegen, willigte aber ein, noch ein weiters Jahr anzuhängen, um den aus der Versammlung einstimmig nominierten - als „zweiten“ zweiten Vorsitzenden - Bruno Poniewahs die Einarbeitung zu ermöglichen. Der Vorstand hatte den 62-jährigen Forstwirtschaftsmeister Bruno Poniewahs aus Belecke als ersten Vorsitzenden vorgeschlagen, dieser kann das Amt aus persönlichen Gründen aber erst 2012 annehmen.
Geehrt wurden an diesem Abend für 25-jährige Mitgliedschaft Henning Harth, Horst Enste, Willi Schulte, Ulrich Meyer und Karl-Heinz Gosemerker. Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Walter Siepmann, Rolf Weber und Rainer Dornseiff geehrt und für 50-jährige Mitgliedschaft wurde Willi Jütte mit Urkunde und Nadel ausgezeichnet. Das Bläserabzeichen in Bronze erhielten Werner Hoppe und Hiltrud Göpfert.
Vom 19. bis 21. August feiert der Hegering Warstein sein 75. Jubiläum am Haus Viktoria.
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