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Anwohner kämpfen für Straßennamen

23.01.2012 | 17:56 Uhr
Anwohner kämpfen für Straßennamen

Warstein.Die braunen Zitate von Karl Wagenfeld hallen weiter durch Warsteins Dichterviertel. Im vergangenen Juli hatte die SPD einen Antrag auf Namensänderung gestellt. Bald soll entschieden werden. Die Anwohner sehen eher einen bürokratischen Berg in der Änderung des Straßenschildes.

Neger, Kaffern und Hottentotten sind Halbtiere, Fremdrassige sind Volksverderber und Schädlinge, Menschen in Krüppel- und Idiotenanstalten, in Fürsorgeheimen und Strafanstalten sind körperlich und geistig Minderwertige.

Karl Wagenfeld (1869- 1939)

Gerd und Brigitte Teutenberg sind von Haus zu Haus gegangen. Sie haben Unterschriften gesammelt. Gegen die Namensänderung. Alle haben sie unterschrieben. „Uns ist egal, ob die Straße Wagenfeld - oder Josefa-Hoffmann-Straße heißt“, sagt Brigitte Teutenberg. Sie will bürokratischen Aufwand vermeiden.

Das will Nachbarin Gerda Thiele auch. „Wir leben schon vierzig Jahre hier. Es ist doch jetzt völlig egal wie diese Straße heißt.“ Anwohner Wolfgang Nadolny hatte schon im Sommer, bei unserer ersten Berichterstattung, gesagt: „Mir ist egal, was jemand vor 70 Jahren mal gesagt hat. Die SPD soll sich um unsere verschuldete Stadt kümmern und nicht um sowas.“

Auf die Tagesordnung der Bauausschusssitzung hat es der Antrag bislang noch nicht geschafft. „Aber in der übernächsten werden wir darüber beraten“, sagt Vorsitzender Erwin Koch. Antragsteller Gerd Flaig bekräftigte seinen Wunsch nach einer Namensänderung gestern noch einmal: „Es kann einfach nicht sein, dass die Stadt Warstein einen Mann ehrt, der den Nationalsozialisten mehr als nahe stand und das auch klar geäußert hat.“

Die Warsteiner SPD will den betroffenen Anwohnern im Falle einer Namensänderung helfen. Flaig: „Wir werden ein Papier aufsetzen, das die Änderungsvorgänge erleichtert. Es werden ja rund 25 bis 30 Briefe sein, die jeder Anwohner verschicken muss.“ Die Grundbücher der Häuser müsse man entgegen der Meinung vieler Anwohner nicht ändern lassen. „Genauso wenig wie den Personalausweis, wenn man umzieht“, so Flaig.

Der avisierte neue Name - Josefa-Hoffmann-Straße – würde thematisch gut in die Gegend passen, glaubt Gerd Flaig. Hoffmann war eine Warsteiner Heimatdichterin. Sie verstarb 1988. Ihr Sohn Hans-Georg Hoffmann lebt heute noch in Warstein. Ihm war der Wirbel um die Namensänderung zuletzt ein wenig unangenehm. Trotzdem freue er sich über die Ehre, die seiner Mutter zuteil würde. Fraglich bleibt nur, wo die Grenze zu ziehen ist, wenn es um die ideologische Vergangenheit von Geehrten auf Warsteiner Stadtgebiet geht.

Die sauerländische Schriftstellerin Christine Koch ziert ebenfalls einen Straßennamen in Warstein. Auch sie äußerte sich einst heldenhaft über das Nazi-Regime. In einer vom LWL durchgeführten Untersuchungen gehört auch Hermann Simon in die Kategorie „fragwürdige Ehrungen.“ Der 1947 verstorbene Psychiater definierte 1931 den Personenkreis Minderwertiger. Kritiker werfen ihm vor, damit die Grundlage für die Euthanasie gelegt zu haben. Das LWL-Institut für Rehabilitation in Warstein ist nach Simon benannt.

Mike Fiebig

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Kommentare
25.01.2012
10:31
Anwohner kämpfen für Straßennamen
von Tsche_Gewara | #1

Einfach alle Straßenschilder einstampfen lassen und ganz Warstein in "Rosa-Luxemburg-Stadt" umbenennen!

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