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Akkordeons aus ganz Deutschland werden in Warstein repariert

19.10.2012 | 08:00 Uhr
Akkordeons aus ganz Deutschland werden in Warstein repariert
Die ausgebauten Stimmböcke.Foto: Anna Gemünd

Warstein.   Sie wiegen acht, zwölf oder 17 Kilo; sie sind schlicht, altmodisch oder schrill verziert und sie kommen aus Kiel, München oder Österreich nach Warstein: Akkordeons aus dem ganzen Land werden in der Werkstatt von Jörg Hoppe in Warstein wieder fit gemacht. Der 38-Jährige ist Handzuginstrumentenbauer.

Auf den ersten Blick sieht es wie eine normale Werkstatt aus: Schraubenkästen, Werkbank und Schleifmaschine bestimmen das Bild an Jörg Hoppes Arbeitsplatz. Doch Schrauben sucht man in den kleinen Kästchen vergebens, auf der Werkstattbank thront ein Stimmgerät und die Schleifmaschine ist winzig klein. Größer muss sie auch nicht sein, denn Jörg Hoppe bearbeitet mit ihr winzig kleine Stimmzungen: Der Warsteiner ist Akkordeonbauer.„Na ja, eigentlich bin ich Handzuginstrumentenmacher“, korrigiert Jörg Hoppe schmunzelnd, „aber unter einem Akkordeon können sich die meisten Menschen eher etwas vorstellen.“ Akkordeons in allen Größen, Formen, Farben und Gewichten stapeln sich bei dem 38-Jährigen neben der Werkstatt.

Akkordeons kommen aus ganz Deutschland nach Warstein

Sie kommen aus Kassel, aus Gelsenkirchen, aber auch aus München oder Kiel und ihre Besitzer hoffen alle auf eins: Dass Jörg Hoppe ihre Schätzchen wieder fit macht. „Ich repariere Akkordeons, ich stimme sie und verkaufe hier auch welche“, beschreibt Hoppe seinen Job. Man könnte auch sagen: Akkordeons sind Jörg Hoppes Welt.

Gerade hat er einem Modell die Stimmstöcke ausgebaut, auf der Werkbank wimmelt es von kleinen Metallplättchen, die alle unterschiedliche Tonarten hervorbringen, wenn sie im Instrument richtig eingebaut sind. Und wenn sie richtig gestimmt sind: „Ich stimme jetzt die Stimmplatten, wenn der Ton zu hoch oder zu tief ist, muss ich mit dem Schleifgerät an einer der beiden Seiten etwas wegmachen“, erklärt Hoppe konzentriert und beugt sich über die filigrane Platte.

Mit dem Schleifgerät geht es den Tönen an den Kragen

Mit dem Finger bringt er sie zum Schwingen, das Stimmgerät schlägt aus. „Zu hoch“, urteilt Fachmann Hoppe blitzschnell und greift zum Schleifgerät. Ein paar Metallspäne weniger passt der Ton: „Das klingt doch schon besser“, freut sich Jörg Hoppe.

Seitdem er neun Jahre alt ist, spielt der 38-jährige Warsteiner Akkordeon. Im Schwarzwald lernte er, die sensiblen Instrumente zu reparieren und auch zu bauen. Das hat er aber bisher erst ein einziges Mal gemacht. „Mein Meisterstück“, sagt Jörg Hoppe und zeigt ein wenig stolz auf das gelbliche Akkordeon, das zwischen den neu glänzenden Instrumenten im Verkaufsraum sofort auffällt, „seitdem habe ich aber auch keines mehr gebaut. Wobei ich gerade tatsächlich einige Teile aus meinem Akkordeon für ein anderes genutzt habe.“

Zubehör kommt aus Italien - oder wird selbst gebastelt

Das eigene Meisterstück als Schlachtbank für Reparaturmodelle? „Nein, nein“, lacht Jörg Hoppe, „das sind nur Stimmplatten, die ich brauchte. Die bestelle ich neu.“ Aus Italien bekommt der Warsteiner ein Großteil seines Zubehörs, bei älteren Modellen muss Jörg Hoppe aber auch durchaus mal selbst ran. „Manche Platten gibt es so einfach nicht mehr, da ist dann Handarbeit gefragt.“

Ein besonders altes Schätzchen holt Jörg Hoppe aus seiner Sammlung: „Das ist von 1835, also aus der absoluten Anfangszeit der ersten Akkordeons“, gerät der Instrumentenbauer ins Schwärmen, „die könnte man heute noch spielen, aber dazu müsste sie erstmal richtig wieder in Schuss gebracht werden.“ Spielen, das möchte Jörg Hoppe seine Akkordeons auch mal wieder. Zumal seine Sammlung stetig wächst. Über 60 Instrumente hat der 38-Jährige mittlerweile angesammelt.

Kunden nehmen lange Wartezeiten in Kauf

Nur die Zeit, die fehlt dem Musiker derzeit viel zu sehr. „Ich bin froh, dass es jetzt so gut läuft“, will sich Hoppe nicht beschweren, „sich als Akkordeon-Bauer selbstständig zu machen ist erstmal ein Risiko und dann braucht es Zeit, bis man sich einen Kundenstamm aufgebaut hat.“

1999 wagte Jörg Hoppe den Sprung in die Selbstständigkeit, heute, vier Jahre später, hat er es geschafft. Drei bis fünf Monate müssen seine Kunden mittlerweile warten, wenn sie größere Reparaturen an ihrem Akkordeon in Hoppes Werkstatt geben. „Das ist mir schon zu lange, ich würde gerne schneller sein, aber als Ein-Mann-Betrieb geht das einfach nicht.“

Den Nachwuchs schon fest im Blick

Deswegen schaut Jörg Hoppe auch stets aufmerksam nach Klingenthal. Dort, tief im sächsischen Vogtland, befindet sich Deutschlands einzige Berufsfachschule für Handzuginstrumentenbau - und von dort erhofft sich Hoppe fähigen Nachwuchs für seinen Betrieb. „Ich würde gerne im nächsten Jahr jemanden einstellen, wenn die Werkstatt auch größer ist. Denn die Aufträge sind da“, sagt Hoppe und zeigt auf die Werkbank. Drei oder mehrere Instrumente repariert er gleichzeitig - verliert man da nicht den Überblick? „Nein, ich weiß immer, wo alles liegt. Man muss in seiner Werkstatt immer wissen, wo man was findet.“ In dem Punkt ist Jörg Hoppes Arbeitsplatz dann doch wieder eine ganz normale Werkstatt.

Anna Gemünd



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