Zwei Altstadt-Achsen für Radler öffnen

Die SPD unternimmt im Verkehrausschuss einen Anlauf, um die Situation für Radfahrer in der Innenstadt zu verbessern. Wenn es nach mir ginge, würde ich die Altstadt komplett für den Verkehr freigeben. Ich glaube aber, dass das nicht mehrheitsfähig ist, sagt der Parteivorsitzende Andreas Becker.

Recklinghausen.. Denn vor allem ältere Bürger fürchten, dass sie in der Fußgängerzone von rücksichtslosen Radlern umgefahren werden könnten. Becker schlägt deshalb einen Kompromiss vor. "Wir wollen zumindest zwei Achsen für Radler öffnen. Man kann vor allem Schülern nur schwer erklären, dass sie auf dem Weg zur Schule und bis 11 Uhr überall freie Fahrt haben, nach Schulschluss aber über den Wallring fahren müssen", sagt der Vorsitzende des Verkehrsausschusses.

Deshalb schlägt er vor, die Verbindung zwischen Steintor und Lohtor über Steinstraße, Heilige-Geist-Straße und Münsterstraße zu öffnen. "Dazu gehört dann auch die Öffnung der Augustinessenstraße für den Radverkehr." Die zweite Achse könnte aus Sicht der SPD über Schaumburgstraße und Albersgäßchen verlaufen. "Das würde auch die Einrichtung einer Fahrradgasse über den Altstadtmarkt erfordern", erklärt Becker. "Das kann man natürlich nicht einfach so machen, sondern eine solche Gasse muss entsprechend beschildert und markiert werden. Und wir brauchen eine offensive Öffentlichkeitsarbeit mit Schwerpunkt in den Schulen."

Eine komplette Öffnung der Altstadt für Radfahrer sieht CDU-Fraktionsvize Heinz-Bernd Einck eher skeptisch. Dem Vorschlag von Becker, den Versuch zumindest probeweise für drei Monate zu wagen, will er sich aber keineswegs verschließen. "Schließlich gilt: Versuch macht klug. Wir sollten dann einen Zeitraum auswählen, in dem es in der Altstadt nicht so brummt und uns langsam vortasten", sagt Einck, der auch Leiter des CDU-Arbeitskreises Verkehr ist. Er bestätigt, dass auch die CDU Handlungsbedarf in der Altstadt sieht, um das Radfahren dort attraktiver zu machen. Auf eine Maßnahme könne man sich sofort einigen. "Die Öffnung der Schaumburgstraße für Radfahrer ist ein Muss." Denn zum einen steuern bereits jetzt regelmäßig Autos die Behindertenparkplätze vor dem ehemaligen Karstadt-Sporthaus an, zum anderen befindet sich in der Herrenstraße die größte Fahrradabstellanlage der Altstadt.

Und was sagt die Ordnungsbehörde zu den Überlegungen in der Politik? "Öffentlich werden wir uns dazu nicht äußern, aber selbstverständlich in den Gremien der Stadt, in denen wir hinzugezogen werden, unsere Einschätzung abgeben", sagt Ramona Hörst von der Pressestelle im Polizeipräsidium auf RZ-Anfrage. Bisher hatte sich die Polizei stets gegen eine Freigabe der Altstadt für den Radverkehr ausgesprochen.
Was halten Sie von der Situation des Radverkehrs in der Innenstadt? Schreiben Sie uns unter lesermeinung@medienhaus-bauer.de

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE