Zurück ins Leben

Spaziergang zurück ins Leben: Hildegard Pelz begleitet trauernde Menschen, sei es beim Reden oder Schweigen. Dabei ist die Natur sehr hilfreich. Seit September bietet das Hospiz zum heiligen Franziskus diese Möglichkeit, die Trauer um einen Verstorbenen zu bewältigen.

Recklinghausen.. "Es geht darum, in Bewegung zu kommen", sagt Hildegard Pelz (59) entschieden, "aber nicht nur körperlich, sondern auch innerlich." Die ehrenamtliche Hospiz-Helferin möchte Männern und Frauen beistehen, denen es nicht gelingt, die Trauer um einen geliebten Menschen zu bewältigen. Sie weiß: Oft igeln sie sich ein, sind antriebslos und verzweifelt. Und vor allem möchten sie Angehörige und Freunde nicht länger mit Geschichten über den Verstorbenen belästigen, nicht zuletzt aus Angst vor dem einen, vor dem harten Satz: "Reiß dich endlich zusammen. Jetzt ist es aber mal gut." Denn gar nichts ist gut. Darum sind die Trauernden bei der starken Frau mit dem warmen Lächeln in den richtigen Händen. Falls sie die Kraft finden, im Hospiz anzurufen.

Drei von ihnen betreut Hildegard Pelz zurzeit. Sie verabredet sich mit ihnen, sei es an der Mollbeck, am Stadthafen, auf der Halde oder auf dem Friedhof. "Wo immer sie möchten", betont Hildegard Pelz, die dreißig Jahre lang als Gymnasial-Lehrerin gearbeitet hat. Auch Regen ist für die ausgebildete Trauerbegleiterin kein Gegner. Doch manchmal kommen die Spaziergänger gar nicht erst über die Wohnzimmerschwelle hinaus. Denn: "Das Bedürfnis zu reden ist groß", berichtet Hildegard Pelz. Viele leiden unter Schuldgefühlen, weil sie meinen, sie hätten nicht alles Erdenkliche getan, um den Tod zu verhindern. Einsamkeit ist ebenfalls ein Thema. "Und bei den Männern kommen noch ganz praktische Probleme hinzu. Dann reden wir auch schon mal darüber, wie sie die Wäsche sortieren müssen", verrät Hildegard Pelz, die seit fünf Jahren zum Hospiz-Team gehört.

Einfühlsam, nicht mitleidig, hört sie zu. Und gemeinsam suchen sie nach einem Weg aus der Dunkelheit, damit der Gedanke an den Verlust erträglicher wird. Hildegard Pelz: "Vielleicht gibt es da längst vergessene Hobbys, verdrängte Träume oder alte Freundschaften, die die Menschen auf andere Gedanken bringen könnten." Aber natürlich dürfen die Stunden im Freien auch "mit Stille" gefüllt werden.

Hilfreich bei diesem Prozess ist der Spaziergang durch die Natur mit den wechselnden Jahreszeiten, mit ihren Gerüchen und Farben. "Ideal wäre es, wenn die Betroffenen den Wandel als normalen Bestandteil des Lebens erkennen würden. Das macht vieles leichter", sagt Hildegard Pelz und lacht zuversichtlich.
Hospiz, Tel. 6 09 30. Das Angebot ist kostenlos.