Zukunft für den Hausarzt

Statistisch gesehen gibt es in Datteln zwei Hausärzte zu wenig. Junge Mediziner spezialisieren sich lieber, scheuen die längeren Arbeitstage und die schlechtere Bezahlung in der Provinz. Das könnte in ein paar Jahren zu einer Kostenexplosion im Gesundheitssystem führen. Doch Dattelns Ärztesprecher Dr. Peter Mönninghoff macht Mut. Universitäten machen die Praxen auf dem Lande schmackhafter. Medizinstudentin Mareike Smula (31) ist dafür ein Beispiel. Die Praktikantin will Hausärztin werden.

Datteln.. "In Datteln sollten eigentlich 16 Hausärzte praktizieren", sagt Dr. Peter Mönninghoff und beruft sich auf die reine Faktenlage. Laut Statistik sind Waltrop und Datteln im Vergleich zu den übrigen Kreis-Städten "unterversorgt", dort gibt es in Relation gesehen zwei bis drei Ärzte mehr.

Mit 25 Fachärzten, drei Psychologen und 14 Hausärzten sei man in der Kanalstadt aber gut aufgestellt, es gebe eher "eine bessere Versorgung insbesondere bei den Fachärzten". Zum Vergleich: Als der gebürtige Dortmunder 1986 seine Praxis in Datteln übernahm, gab es acht Haus- und zwölf Fachärzte in der Stadt. Im Sauerland sei die Lage viel dramatischer.

Ursprünglich wurden die Daten von der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen kreisweit erhoben, d.h. es wurde gezählt, wie viele Ärzte im gesamten Kreis Recklinghausen eine Praxis betreiben. Innerhalb des Vests konnten die Sitze verlegt werden. Im Jahre 2 000 hörten in der Kanalstadt drei Hausärzte aus Altersgründen auf, ihre Nachfolger behandeln ihre Patienten in Castrop-Rauxel und Oer-Erkenschwick. Eine Abwanderung.

Vor zwei Jahren wurde neu aufgeteilt. Nun wird auf das Patienten-Arzt-Verhältnis pro Stadt geachtet. Seitdem ist in Datteln von einer Unterversorgung die Rede.

Was die Lage verschärft: Der klassische Hausarzt hat ein Image-Problem. Ihm wird die Behandlung komplexerer Krankheiten nicht zugetraut. Mit der Krankenkarte im EC-Kartenformat können die Patienten direkt den Facharzt ansteuern, findet der keine Lösung, weil er überwiegend in seinem Fachgebiet eine Diagnose stellt, wandert der Patient zum nächsten. "Das führt häufig zu langen Wartezeiten bei den Fachärzten", weiß Dr. Mönninghoff.

Der Allgemeinmediziner muss breit aufgestellt sein, von allem Ahnung haben und nur, wenn er an seine Grenzen stößt, wird an den Spezialisten überwiesen.

Die unattraktiven Arbeitszeiten machen die Aufgabe nicht gerade schmackhaft für Mediziner. "Ich habe einen Zwölf-Stunden-Tag", sagt Mönninghoff. Idealist müsse man schon sein.

Mit dem Geld, dass er von den Krankenkassen bekommt - 45 Euro durchschnittlich pro Quartal und Patient, egal wie oft dieser kommt und welche Behandlung er bekommt - sei der Dattelner zufrieden. In Bayern gibt es 70 Euro. Behandelt der Hausarzt in Westfalen-Lippe 1 400 Patienten, bekommt der Süddeutsche für 900 Patienten das gleiche Geld. "Honorargefälle" schimpft sich das und führt dazu, dass angehende Mediziner sich lieber gen Süden orientieren.

Sollten weitere Ärzte aus der Kanalstadt abwandern, könnte das dazu führen, "dass wir keine Hausbesuche mehr machen können und mehr direkt ins Krankenhaus überweisen", wagt Dr. Mönninghoff einen Blick in die Zukunft. Das könnte, wegen der enormen Krankenhauskosten, zu einer Kostenexplosion im Gesundheitssektor führen.

Die Hoffnung ruht nun auf angehenden Medizinern wie Mareike Smula (31). Die Waltroperin möchte in ihrer Heimatstadt Olfen eine Land-Praxis eröffnen. "Man ist breiter aufgestellt, behandelt die Grippe genauso wie Rückenprobleme", sagt die Studentin im achten Semester. Das sei eine anspruchsvolle Arbeit.

Ein zweiwöchiges Praktikum muss sie beim Hausarzt machen. Das haben die Unis ins Pflichtprogramm aufgenommen, um das staubige Land-Ei-Image aufzupolieren. Im praktischen Jahr können die Studenten außerdem vier Monate in einer Hausarzt-Praxis lernen. Darüber hinaus gibt es keine Residenzpflicht mehr und die Notfalldienste wurden arbeitsfreundlicher aufgeteilt.

Es wirkt, die Zahl der Hausarztpraxen nimmt wieder zu. Dr. Mönninghoff ist guter Hoffnung, dass die Zahl der Dattelner Hausarztpraxen in ein paar Jahren wieder steigen wird.