Zucker auf dem Vormarsch

Bundesweit ist jeder zehnte bis elfte Bürger zuckerkrank. Die Zahl der Patienten nimmt in den industrialisierten, technisch fortschrittlichen Ländern drastisch zu. Die Ursachen dafür sind meist zu wenig Bewegung und die falsche Ernährung. Am St.-Vincenz-Krankenhaus wird daher am Donnerstag, 26. Februar, zum zweiten Diabetestag im Foyer geladen.

Mexiko ist der Spitzenreiter an Typ 2-Diabetes-Patienten. "Zu viel Fast Food und Softdrinks sind die Ursache", weiß Oberärztin Dr. Stefanie Pakulski-Sudhoff. In einigen Staaten im Pazifik - in denen mollig als chic und als ein Zeichen des Wohlstands gilt - sind mittlerweile schon Pflicht-Sportprogramme eingeführt worden.

Der Durchschnitts-Deutsche, der nicht mehr in der Industrie körperlich schwer, sondern eher im Büro sitzend arbeitet, hat mit den Jahren auch deutlich zugelegt und läuft damit Gefahr, an Diabetes mellitus zu erkranken. Bundesweit sind derzeit rund sieben Millionen davon betroffen.

Einst galt bei Medizinern die Auffassung, der Patient sei ja selber Schuld, er habe sich die Krankheit quasi angefuttert. "Dieses Dogma wird nicht mehr propagiert. Stattdessen versuchen wir den Patienten da abzuholen, wo er steht", sagt Dr. Stefanie Pakulski-Sudhoff. Das Leben Schritt für Schritt umzustellen und den Patienten dabei zu begleiten.

Und ihr Chef, Dr. Lutz Uflacker, hat auch schon die Lösung des Problems parat: "Was hilft, ist die Bewegung, die macht’s wirklich", sagt der Leiter der Medizinischen Kliniken 1 und 3 am Vincenz-Krankenhaus. Daher sind die Fahrräder im Fitness-Bereich der Klinik auch immer öfter in Betrieb. Fünfmal am Tag für jeweils zehn Minuten reichen schon aus.

Ist bundesweit etwa jeder Zehnte betroffen, ist die Konzentration der Zucker-Kranken in Krankenhäusern deutlich höher. "Jeder Vierte, der in unserem Krankenhaus behandelt wird, hat die Nebendiagnose Diabetes", so Dr. Stefanie Pakulski-Sudhoff. Heißt: Neben der eigentlichen Erkrankung, wegen der der Patient eingeliefert wurde, müssen die Mediziner und Pfleger noch ein Auge auf den Blutzuckerspiegel haben.

Das erfordert auch bei Medizinern und gerade bei den Pflegern mehr Fachwissen. Zum einen ist dafür Birgit Krimpmann als Diabetesberaterin verantwortlich, die von Station zu Station geht und die Patienten berät. Zum anderen nimmt bald die dritte Fortbildungs-Klasse von Pflegern des Laurentius-Stifts in Waltrop und des Vincenz-Krankenhauses den Unterricht auf.

"Ziel ist es, dass pro Station und Schicht eine Fachkraft zur Verfügung steht", sagt Klinik-Sprecherin Wilma Henkel. Ende des Jahres wird das der Fall sein.
Zweiter Diabetestag
Das St.-Vincenz-Krankenhaus lädt am Donnerstag, 26. Februar, von 16 bis 18 Uhr im Krankenhausfoyer zum zweiten Diabetestag.

Ein Schwerpunkt der Informationsveranstaltung sind die möglichen Folgen der Zuckerkrankheit und ihre Behandlung. Ein wichtiges Thema ist hier der Diabetische Fuß. Nervenschäden durch den erhöhten Blutzucker führen zu Empfindungsstörungen. Wenn der Schuh drückt oder sich eine Blase bildet, spüren Diabetiker das nicht. Es kann sich eine Wunde bilden und auch deren Heilung verzögert sich bei Diabetes mellitus.

Der Orthopädie-Schuhmachermeister Friedhelm Vogler wird in seinem Vortrag aufzeigen, was beim Schuhkauf zu beachten ist. Podologin Regina Janßen informiert über Fußpflege, Selbsthilfegruppen sind dabei, eine Buchhandlung bietet Fachliteratur an, ein Sanitätshaus stellt aus, Blutdruck und Blutzucker werden gemessen und leckere Häppchen für Diabetiker angeboten.

Dr. Lutz Uflacker hält den Vortrag "Was macht der hohe Zucker mit meinem Körper" und Oberärztin Dr. Stefanie Pakulski-Sudhoff und Diabetesberaterin Birgit Krimpmann referieren zu dem Thema "Hilfe, mein Zucker ist zu niedrig/ zu hoch! Was kann ich tun?"