Wie Haltern den Weg zur Normalität schaffen will

Wie weitermachen nach der Katastrophe? Die Stadt Haltern steht nach dem Germanwings-Absturz im Fokus.
Wie weitermachen nach der Katastrophe? Die Stadt Haltern steht nach dem Germanwings-Absturz im Fokus.
Foto: Federico Gambarini/dpa
Was wir bereits wissen
Mehr als drei Wochen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich ringt die Stadt Haltern mit zaghaften Schritten um Normalität.

Haltern am See.. Das Unfassbare wird langsam fassbar. So ungefähr beschreibt der Leiter des Joseph-König-Gymnasiums die Stimmung an seiner Schule. Gut drei Wochen ist es her, dass die Germanwings-Maschine in Frankreich abstürzte. Mit an Bord waren 16 Schüler aus der Jahrgangsstufe 10 sowie zwei Lehrerinnen des Gymnasiums im westfälischen Haltern. Die Stimmung sei nach wie vor sehr gedrückt, erzählt Schulleiter Ulrich Wessel. Dennoch muss langsam der Alltag zurückkehren.

Nach den Osterferien ist der Betrieb wieder angelaufen. Am Dienstag mussten die ältesten Schüler ihre ersten Abitur-Prüfungen bewältigen. Auf dem Programm standen Klausuren im Fach Deutsch. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte angeboten, die Prüfung bei Bedarf zu verschieben und spätere Ausweichtermine zu nutzen. "Davon hat aber keiner der Schüler Gebrauch gemacht. Eine Schülerin ist krank. Das hat aber nichts mit dem Absturz zu tun", sagt der Schulleiter.

"Die Wunden heilen, es bleiben Narben"

Er hatte angesichts der Pause über die Osterferien ein mulmiges Gefühl. "Ich hatte die Schüler nicht im Blick", sagt Wessel. Die Trauer in der Stadt auf der Grenze von Ruhrgebiet und Münsterland vergleicht der Pädagoge mit Wunden, die entstanden sind. "Die werden heilen. Dafür bleiben dann die Narben."

Germanwings-Absturz Wessel ist es nach eigenen Worten unangenehm, dass seine Schule immer zuerst genannt wird, obwohl in dem Flugzeug nicht nur die 16 Schüler und 2 Lehrerinnen gestorben sind. Insgesamt kamen 150 Menschen in den französischen Alpen ums Leben. Trotzdem stehe nur Haltern mit seinen rund 37.000 Einwohner im Fokus.

Vor der Schule werden 18 Bäume gepflanzt

Vor der Schule, wo jetzt noch Hunderte Friedhofskerzen als Zeichen der Trauer auf dem Boden stehen, sollen 18 Bäume in Erinnerung an die Toten aus der Kleinstadt gepflanzt werden. Der Schulleiter wünscht sich Bäume, die weit sichtbar blühen. Er schlägt die Japanische Säulenkirsche vor. Zusätzlich wird eine Gedenktafel aufgestellt. Einen Termin gibt es noch nicht. In einem ersten Schritt wird die Schule die vielen Friedhofsleuchten in einer Zeremonie einsammeln. Das Gedenken an die Opfer soll auch in Zukunft ein Teil des Schullebens bleiben.

Germanwings-Absturz Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel hat über Ostern ein paar Tage Urlaub gemacht. Am Montag danach traf er sich erneut mit den Eltern der Opfer. "Dabei ging es um praktische Dinge. Bei aller Trauer müssen wir Schritte zurück zur Normalität finden - falls das überhaupt geht", sagt Klimpel. In ihrer Trauer hätten sich die Eltern zusammengeschlossen, sie würden sich regelmäßig treffen.

Kanzlerin kommt zur Trauerfeier nach Köln

An diesem Freitag steht im Kölner Dom eine Trauerfeier mit Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und internationalen Gästen an. Vor den Ferien waren Bundespräsident Gauck und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zu einer nichtöffentlichen Trauerfeier nach Haltern gekommen.

Christoph Kleinefeld, Geschäftsführer der Halterner Werbegemeinschaft, berichtet von Umsatzeinbrüchen im Handel. "Wenn es die nicht gegeben hätte, wäre ich persönlich überrascht gewesen. Aber auch das hilft, die Prioritäten im Leben wieder zu sortieren", sagt der Besitzer eines Geschäfts für Kinder-Bekleidung. "Alle sind geschockt, noch immer. Kunden, Besucher und Gäste weichen der Trauer lieber aus, wenn sie die Wahl haben. Einkaufen und Bummeln gehört heute doch eher zum Unterhaltungsprogramm - da beschränken sich die Menschen auch mal auf das Notwendigste. Wir wünschen uns die Normalität zurück." (dpa)