Was halten Händler und Kunden von den Parkgebühren?

Morgens zur Marktzeit. Wo bis vor gut einem halben Jahr kein freier Parkplatz zu ergattern war, herrscht jetzt gähnende Leere auf dem Schemm und an der Castroper Straße. Vertreiben die Parkgebühren in der City etwa die Kunden? Die Meinungen sind geteilt, wie unsere Umfrage auf dem Wochenmarkt und bei Einzelhändlern zeigt.

Datteln.. Seit Ende Oktober müssen alle für einen citynahen Parkplatz zahlen. Ein Euro pro Stunde. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen, meint zum Beispiel Harry Squar vom Kartoffelexpress. "Der Umsatz ist zurückgegangen", sagt der Markthändler. Seine Reibekuchen sind beliebt, aber immer weniger Kunden haben Zeit, sie am Stand zu essen. "Geht nicht, meine Parkzeit läuft ab", das hört er jetzt oft. "Da muss man sich nicht wundern, dass die Leute woanders einkaufen."

Weniger Kundschaft? Das kann Birgit vom Käsestand nebenan nicht bestätigen. "Zu Beginn haben ganz viele Kunden schon vor 9 Uhr eingekauft, um Parkgebühren zu sparen. Aber das hat sich mittlerweile eingespielt." Vielmehr ärgert die Verkäuferin, dass auch sie jetzt Gebühren für einen marktnahen Parkplatz zahlen muss.

Ein paar Meter weiter kauft Edith Koslowski Obst. Die Parkgebühren lassen die Dattelnerin kalt. "Ich wohne direkt in der Innenstadt", sagt sie. Die Aufregung um die neuen Gebühren kann sie nur bedingt verstehen. "Wir müssen doch überall fürs Parken zahlen - ob in Recklinghausen, Haltern oder Lüdinghausen."

Friederike Elles ist mit Tochter Paula (2) unterwegs. "Die Parkgebühren sind katastrophal für Datteln", meint sie. Ihr Auto steht auf dem Schemm - natürlich gebührenpflichtig. "Mit einem kleinen Kind möchte man ja nicht wer weiß wo parken." Zum Wochenmarkt kommt sie gern in die Stadt, aber für größere Einkäufe zieht es sie jetzt nach Recklinghausen.

Auch ihre Freundin Sylvia Blaszyk ist mit der Situation unzufrieden. Wenn sie mit Tochter Sophia einkauft, rennt schon mal die Zeit davon. So hat sie schon das eine oder andere Knöllchen kassiert: "Das Ordnungsamt ist sehr aktiv."

Nur noch unzufriedene Kunden? "Die Klagen sind nicht so, wie wir das erwartet haben", gibt Norbert Schemann, stellvertretender Vorsitzender der Werbegemeinschaft Citypartner, Entwarnung. Zustimmung und Beschwerden halten sich die Waage. Einige Kunden freuten sich, sofort einen Parkplatz zu bekommen. "Dafür zahlen sie gern." Andere stünden dagegen jetzt unter Zeitdruck beim Einkauf. Aber dass viele Kunden wegbleiben oder es gar Umsatzeinbußen gibt, verneint Schemann.

Markus Danielsmeier vom gleichnamigen Kaufhaus kann auf eigene Kundenparkplätze bauen. "Aber die Kundschaft, die sonst irgendwo in der Nähe geparkt hat und dann kurz bei uns reingeschaut hat, die fällt jetzt weg", sagt er. "Wir haben viele Kunden von außerhalb - und die finden die Parkgebühren gar nicht gut."