Vestische rüstet Busse mit Kameras auf

Keine Seltenheit: Dass Fahrgäste angegriffen werden, wie in dieser gestellten Szene von Frank Hafke, passiert fast täglich. Foto: Reiner Kruse
Keine Seltenheit: Dass Fahrgäste angegriffen werden, wie in dieser gestellten Szene von Frank Hafke, passiert fast täglich. Foto: Reiner Kruse
Foto: WAZ FotoPool

Vest.. Mit einem Pilotprojekt will die Vestische für mehr Sicherheit im Nahverkehr sorgen. 15 Busse wurden mit Kameras ausgerüstet, die im Notfall Bilder an die Leitstelle senden. Das System fordert die Fahrgäste auf, sich das Aussehen des Täters zu merken.

Die Zeiten sind hart, rau sind die Sitten. Längst gehören Gewalttaten zur traurigen Tagesordnung. Überfälle, Diebstähle, Bedrohungen, Beschimpfungen, Schlägereien – der gemeine Strolch von heute hat weit weniger Skrupel als noch gestern. Es wird gepöbelt, gekratzt, getreten, geschlagen. Oft ohne Ansage, oft auch ohne Pardon. Und das nicht nur im Schutze von Dunkelheit und Hinterhof, sondern auch am helllichten Tag und in aller Öffentlichkeit. Auf dem Schulhof, in Kaufhaus, Fußgängerzone, Pommesbude – oder im Bus.

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Üble Gesellen, sie lauern immer und überall. Gesindel, das einem an den Kragen, an die Brieftasche oder einfach nur „Spaß“ haben will. Für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und die Vestische, so scheint es, ist das Fass längst voll. Grund genug, in die Offensive zu gehen.

15 Linienbusse wurden ausgerüstet

„PräViteS“ heißt etwas sperrig das Zauberwort. Was sich zunächst anhört wie ein Wundermittel gegen Schweißfüße oder Ohrenschmalz, steht in der Tat für „Präventiver Einsatz von Videotechnik für mehr Sicherheit“.

Seit Donnerstag hält die Vestische ein Jahr lang quasi als Versuchskaninchen für ein bundesweit bisher einmaliges Pilotprojekt her. 15 Linienbusse – Solo- und Gelenkwagen – wurden ausgerüstet mit „PräViteS“, mit mehreren Kameras, akustischen Signalen und jeder Menge Technik dieses technisch äußerst versierten und auch vielversprechenden Videoschutzsystems.

Der simulierte Ernstfall machte eindrucksvoll deutlich, wie gut die neuen Hilfsmittel helfen können, wie wichtig sie aber auch sind. „Watt guckse so doof“, prollte Frank Hafke herum und ließ gleich die Fäuste sprechen.

Hafke (46), Ausbilder Deeskalation bei der Vestischen, regelmäßig als Busfahrer zwischen Marl, Recklinghausen und Dorsten unterwegs und im wahren Leben natürlich ein braver Bürger, spielte seine Rolle gut, gab diesen schmierigen Typen, als wäre er selbst einer. „Zum Glück habe ich selbst noch nie wirklich Stress gehabt, aber man weiß ja nie.“

Related content Was aber passiert, wenn was passiert? Beobachtet der Fahrer einen Übergriff, oder wird er vielleicht darauf aufmerksam gemacht, tritt die neue Technik auf den Plan. Ein Druck auf den roten Knopf, die Überfalltaste, und schon ist der Alarm ausgelöst. Der Bus stoppt, die Türen öffnen sich und binnen Sekunden machen die Kameras Videobilder, die direkt in der Leitstelle der Vestischen landen, wo sie von Routiniers wie Verkehrsmeister Lutz Saalmann gesichtet, bewertet und im Bedarfsfall der Polizei geschildert werden.

„Achtung. gerade werden Sie Zeuge eines Übergriffs

Und, vielleicht noch wirkungsvoller: Die bewegten Bilder, die gleichzeitig im Bus auf dem Informationsbildschirm auftauchen, werden unterlegt von einer automatischen Ansage: „Achtung. gerade werden Sie Zeuge eines Übergriffs. Merken Sie sich bitte das Aussehen des Täters, die Polizei ist informiert.“ So ist es plötzlich der Schurke, der im Rampenlicht steht.

„Ziel ist es nicht, den Täter zu fangen“, so der Geschäftsführer der Vestischen Martin Schmidt, Betriebsleiter Thomas Krämer und VRR-Vorstandsmitglied Dr. Klaus Vorgang unisono. „Ziel ist es, den Täter zur Aufgabe und zur Flucht zu bewegen.“

„Wir brauchen Zivilcourage, aber keine Helden“, sagt Polizeihauptkommissar Kurt Horst aus Gelsenkirchen. Gut, dass der Bürger der Abteilung Randale die Stirn bietet. Den Kampf aber sollten ihr schon die Profis ansagen.