Unter Rauchern

„Rauchverbot - Tod für die Eckkneipe?“ lautete das Thema einer Diskussion im Alten Wirtshaus Kiffe. Wirt Robert Heinze (li.) und seine Gäste (v. li.) Rudi Blum, Marlis Sieler und Christian Klug haben dazu – wie man sieht– eine klare Meinung.
„Rauchverbot - Tod für die Eckkneipe?“ lautete das Thema einer Diskussion im Alten Wirtshaus Kiffe. Wirt Robert Heinze (li.) und seine Gäste (v. li.) Rudi Blum, Marlis Sieler und Christian Klug haben dazu – wie man sieht– eine klare Meinung.
Foto: WAZFotoPool

Marl..  Verständnis für die Sorgen der Bürger zeigen, Engagement in der Sache ankündigen und vor Problemen warnen: Das alles gehört zum Grundgerüst eines jeden Politikers. Und der SPD-Landtagsabgeordnete Carsten Löcker setzte dieses Instrumentarium ein, aber er kam bei seinen Gesprächspartnern nicht an. Es ging am Montagabend um das Thema Rauchen, Löcker stand hinter der Theke des Alten Wirtshauses Kiffe an der Schacht-straße, und nach 100 Minuten war klar: Man redete aneinander vorbei. Die resolute Rauchertruppe forderte Selbstbestimmung, der Politiker redete von Gesetzen und vom Verfassungsgericht.

„Gelegentlich Zigarrenraucher“

Es ist eine urige Eckkneipe, vor 60 Jahren eröffnet, und irgendwie scheint die Zeit seither stehen geblieben. 40 Gäste qualmten, mittendrin der Hertener Carsten Löcker, ein Nichtraucher, „gelegentlich Zigarrenraucher“. Robert Heinze, FDP-Ratsherr und Hausherr (Raucher) hatte zum Disput geladen – und ein paar Minuten lang schienen alle auf einer Linie zu liegen.

Es gebe „eine Menge von Menschen, die mit Rauchen nichts zu tun haben wollen“, legt Löcker die Basis, der Gesetzgeber sei deshalb jetzt zum Nachregeln aufgefordert. Es sei noch nicht „abgemachte Sache“, wie das laufen solle mit Eckkneipen und privaten Veranstaltungen. Eine Mehrheit wolle schärfere Gesetze. „Versprechen kann ich aber nichts“, sagte der Politiker.

Doch so etwas wollten die Gäste gar nicht hören. Und legten los: Wohin geht eigentlich die Tabaksteuer? Wer schützt die Kinder, die mit rauchenden Eltern im Auto sitzen? Wie viele Arbeitsplätze gehen verloren? Was ist mit den Kneipen, die für die Trennung von Rauchern und Nichtrauchern schon Umbauten vorgenommen haben? Ist die Investition jetzt futsch?

Carsten Löcker hatte es schwer. Für den Kneipen-Umbau soll es Übergangslösungen von zehn bis 15 Jahren geben, damit sich die Investition amortisiert. Einem Argument hatte er nichts entgegen zu setzen: Wer nicht rauchen will, der soll doch einfach draußen bleiben. Oder, wie ein Gast formulierte: „Der kann doch 50 Meter weiter gehen und Pfefferminzklümpchen lutschen.“

„Mit gesundem Menschenverstand“

„Ich sehe noch nicht, dass es am Ende des Tages ein komplettes Rauchverbot gibt“, hielt Löcker den Kritikern ein Türchen offen.

Was ist mit rauchenden Eltern? Kann man ein Gesetz machen, an das sich keiner hält? Warum müssen die Raucher bevormundet werden? Bricht die Koalition im Landtag auseinander, wenn die Grünen auf ihrer Forderung bestehen? Gibt es nicht wichtigere Dinge im Land zu regeln? „Ich bin ein Volksvertreter und gehe mit einem gesunden Menschenverstand da ran“, versprach Löcker.

Die Raucher haben ihre Argumente verschossen, die Antworten überzeugten sie nicht. Sie griffen wieder zu ihren Zigaretten. Resignation machte sich breit.