Tobias Staschik restauriert Kult-Roller

Für die einen ist es eine Zeitreise in die 50er-Jahre: mit der edlen Zweiraddame bei strahlendem Sonnenschein über die Landstraßen bügeln, mit dem Sommerwind das mediterrane Flair aufsaugen. Für andere ist es eine Geldanlage, der Einstieg in den Oldtimer-Markt. Tobias Staschiks Kunden kommen aus ganz Europa, um bei ihm eine italienische Schönheit mit ihren wohlgeformten Rundungen zu finden. Der 33-Jährige restauriert und verkauft den kultigen Vespa-Roller.

Datteln.. Der Ausstellungsraum gleicht einem Museum. Hinter den frisch aufpolierten Schönheiten und Neufahrzeugen - die indische Firma LML hat das Vespa-Werk aufgekauft und produziert auch heute noch detailgetreu - stehen dicht an dicht die betagten Damen. Der Chrom glänzt längst nicht mehr, teilweise ist der Lack ab. Für Vespa-Doktor Tobias Staschik und seinen Azubi kein Problem, er hübscht die Ladys wieder auf, macht sie fit für die Straße.

Seit Eröffnung von KlassikRoller vor fünf Jahren, hat der Dortmunder ein Netzwerk aufgebaut, kennt Käufer und Verkäufer über die Landesgrenzen hinaus. "Die meisten Roller gibt es in Süddeutschland, liegt näher an Italien", sagt er. Mit einer Spedition lässt er sich die Zweiräder schicken.

"Wir berechnen für eine Restauration 23 Stunden, wissen aber, dass wir deutlich mehr Zeit benötigen. Aber das würde keiner mehr bezahlen", sagt der angehende Kfz-Meister. Im Schnitt 1 600 Euro Arbeitslohn werden dafür alleine fällig.

Ab 3 500 Euro bietet er die komplett überholten historischen Schätzchen in der Basisversion an. "Davon habe ich aber noch keinen verkauft, weil die meisten Kunden noch eine andere Sitzbank, andere Blinker oder andere Reifen wollen", so Staschik. Verschiedene Motorisierungen und Jahrgänge zwischen 50 ccm und 200 ccm bietet er an.

Dann gibt es Sonder-Wünsche wie der quietschgelbe 50er, der ein Jahr lang beim Airbrusher war, nun mit Bildern verziert ist und mit dem bald ein Arzt durch die Gegend braust. Oder das alte Schätzchen aus den 60er-Jahren mit reichlich Patina. In den 70ern düste ein kleiner Italiener-Junge als Beifahrer damit durch Rom. Heute besitzt er in Dortmund eine Eisdiele und hat seinen Roller in die neue Heimat geholt.

Für die einen ist es Nostalgie und Hobby, für die anderen eine Investition, denn die Roller sind wertstabil, noch aus Metall gefertigt und keine Plastikbomber aus dem Baumarkt. "Je nach Modell kann das auch schon mal die 10 000-Euro-Grenze sprengen", sagt der 33-Jährige.

Bei Interesse sollte das passende Geld und ein halbes Jahr Zeit mitgebracht werden. Die Warteliste ist lang.
Am 26. April lädt Tobias Staschik bei "KlassikRoller" (www.klassikroller.com), Tel. 7 28 98 60, Friedrich-Ebert-Straße 38, ab 11 Uhr zur Saisoneröffnung. Mehrere Rollerklubs haben sich angemeldet, um 13 Uhr gibt es eine große Ausfahrt, und es gibt einen Teilemarkt.