TNT aus dem Krieg – Giftfahne zieht auf Halterner See zu

Badegäste in Haltern: Langsam fließt eine Giftfahne auf den Stausee zu.
Badegäste in Haltern: Langsam fließt eine Giftfahne auf den Stausee zu.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
  • Das Grundwasser in Teilen von Haltern ist vergiftet
  • TNT aus dem 2. Weltkrieg in unterirdischem Rohrsystem gelagert
  • Giftfahne zieht langsam in Richtung Stausee

Haltern.. Langsam, aber unaufhaltsam fließt Gift durchs Grundwasser in Haltern-Sythen. Vom Gelände einer Sprengstofffabrik zieht die Schadstoff-Fahne weiter nach Süden – 30 Meter pro Jahr. Bis sie den Halterner Stausee erreicht.

Aber woher kommt das Gift? Dass die Quelle irgendwo auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik WASAG liegen muss, war lange klar. Auch heute stellt Nachfolger Maxam dort noch Sprengmittel her. Von wo genau das Gift ins Grundwasser tröpfelte, wussten die Behörden aber nicht.

Giftiges TNT in unterirdischen Rohren verklappt

Jetzt scheint die Quelle (oder zumindest eine Hauptquelle) gefunden: In einem unterirdischen Rohrsystem steckten drei Tonnen TNT aus dem zweiten Weltkrieg. Von dort löste sich der Sprengstoff langsam, floss durch Sickerbecken und gelangte so tief in die Erde.

Keine Entwarnung Das Reservoir kam durch Archivforschungen ans Licht, erklärt Kreissprecher Jochem Manz. Die Umweltbehörde sichtete Luftbilder und Dokumente der Alliierten und stieß so auf die unterirdische Sprengstoffhalde. Das sei damals eine übliche Art gewesen, Sprengstoff zu verklappen. Von der Gesundheitsgefahr ahnte man nichts. Jetzt entsorgt eine Spezialfirma das TNT.

"Wir erwarten eine spürbare Entlastung des Grundwassers", erklärt Manz. Aber erst in ein paar Jahren werde sich zeigen, ob der Fund tatsächlich die Quelle der Verunreinigung war. Wie gesagt: Die Giftfahne bewegt sich nur 30 Meter pro Jahr.

Anwohner dürfen Grundwasser nicht zum Gießen nutzen

Und das Gift, das jetzt schon durchs Grundwasser kriecht? Das bleibt, weiß Manz. Es sei zwar möglich, die krebserregenden Verbindungen mit Ozon-Gas zu "zerlegen". Auf dem alten Wasag-Gelände sei das erfolgreich getestet worden. Aber flächendeckend sei das zu teuer – schließlich versteckt sich das Gift teilweise 100 Meter tief unter dicken Sandschichten. Keine Chance also.

Bodenproben Erst in 40 bis 50 Jahren wird die giftige Schadstoff-Fahne den Halterner Stausee erreichen. Anderthalb Kilometer sind es noch. Gut zwei Kilometer hat das Treibgift schon hinter sich. Eine Gefahr für Badegäste bestehe dann aber nicht, beruhigt Kreissprecher Manz. Aktivkohlefilter sollen's richten: "Die setzt der Ruhrverband jetzt schon ein, um Verunreinigungen wie Düngemittel herauszufiltern", erklärt er. Die Filter seien auch in diesem Fall wirksam.

Schon 1999 untersagte das Kreisumweltamt die Nutzung des Grundwassers als Trinkwasser in Haltern-Sythen. Seit 2010 dürfen Anwohner des Ortsteils Lehmbraken das Wasser aus ihren Hausbrunnen auch nicht mehr zum Gießen nutzen. Seither ist die Giftfahne weiter nach Südsüdost gezogen – und die Umweltbehörde will weitere Privatbrunnen sperren. "Noch bevor die Pflanzzeit beginnt und es warm wird", erklärt Kreissprecher Jochen Manz. "Sonst landet das Wasser noch in Kinderplanschbecken."