Stillstand am Südring

Als sich vor einigen Tagen ein Kran am Dach des Hochhauses Südring 282 zu schaffen machte, fragten sich Bürger: Beginnt da etwa endlich die Sanierung? Mitnichten!

Datteln.. Die Wohnpark Emmerich GmbH (WPE), die den grauen Klotz (Baujahr 1971) übernommen hat und seniorengerecht renovieren lassen möchte, hängt weiter in der Luft, wartet auf Arbeitsergebnisse des Planungsamts und eine Entscheidung des Stadtrats.

Denn: Das Finanzierungsmodell der WPE steht und fällt mit der Entscheidung, ob das Gebiet rund ums Hochhaus zum sogenannten Sanierungsgebiet mit entsprechender Sanierungssatzung erklärt wird oder nicht.

Die Ausweisung als Sanierungsgebiet hat zum Ziel, das Gebiet zwischen der ehemaligen Speeck-Fläche und Herdieckstraße aufzuwerten. Im Gespräch seien u.a. die Anbindung der Ortsfahrbahn an den Ring zur Verbesserung der Verkehrssituation sowie Lärmschutz, erläutert Planungsamtsleiter Karl-Heinz Marscheider.

Für die WPE ist die Sanierungssatzung aus anderem Grund unabdingbar. Käufer von Immobilien innerhalb eines amtlich ausgewiesenen Sanierungsgebietes können Investitionen unter Umständen steuerlich begünstigt abschreiben. Deshalb preist die WPE ihr Projekt Südring 282 im Entwurf einer Werbebroschüre auch als "Steueroase".

Ende letzten Jahres hat die WPE ihren Firmensitz von Emmerich nach Datteln zum Südring 264 verlegt. So ist man dem Hochhaus näher, bei der Realisierung des Projekts aber noch nicht wirklich weitergekommen. Man warte gespannt auf die Sitzung des Dattelner Bauausschusses am 5. Mai, denn dann komme die Hochhaus-Planung auf die Tagesordnung, sagte uns eine WPE-Mitarbeiterin, als wir am Südring anklingelten. Die Geschäftsführung war für unsere Redaktion in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen.


Planungsamtsleiter Karl-Heinz Marscheider dämpft die Hoffnung des Projektentwicklers. Auf Nachfrage sagte er unserer Redaktion: "Am 5. Mai ist keine Beratung geplant." Man sei weiterhin mit "vorbereitenden Untersuchungen" beschäftigt - und das auch nur "nebenbei". Wahrscheinlich werde es erst "nach der Sommerpause" erste Ergebnisse geben.

WPE will die Wohnungen im Hochhaus etagenweise verkaufen und sanieren. Die Bausubstanz sei gut, ebenso die Lage, hieß es bei einer Vorstellung der Pläne im Stadtrat. Das war im Oktober 2014. Das Geld soll von Investoren - in erster Linie von auswärts - kommen. Eine Garantie, dass genug zusammen kommt, um mit der Sanierung auf Etage zwölf und damit oben anzukommen, gibt es nicht. Das Dach und die Fassade sollen erst zum Abschluss modernisiert werden, hatte uns WPE-Geschäftsführer Heinz Evert in einem früheren Gespräch gesagt.

Die Gesamtkosten wurden mit 3,5 bis 4 Millionen Euro beziffert. Als Realisierungszeitraum seien zwei bis drei Jahren realistisch, hieß es.

Bei den Kranarbeiten wurden übrigens neue Teile der Mobilfunk-Sendeanlage installiert, die auf dem Dach thront. Das war schnell gemacht.