Spaziergang endet am Bauzaun

Seit Ende Januar lässt die RWE-Tochter Westnetz das Abwasserrohr sowie Kabel-Leerrohre für das umstrittene E.ON-Kraftwerk Datteln 4 verlegen. Arbeiten, die manche Bürger als Belästigung empfinden.

Datteln.. So gibt es Anwohnerbeschwerden aus dem Beisenkamp, denn ein Bohrgerät, das auf dem als Bauplatz genutzten Schotterparkplatz am Ende der Herdieckstraße steht, macht Krach. "Das lässt sich leider nicht vermeiden", sagt Westnetz-Sprecherin Maren Frisch und bittet um Verständnis.

Gearbeitet werde werktags von 7 bis 19 Uhr - und das an dieser Stelle voraussichtlich bis Mitte Juli. Anschließend folgt eine Spülbohrung vom Pumpwerk Beisenkamp unter Heibeckstraße und Halde hindurch bis zum Kanal (670 Meter). Dauer dieser Bohrung: voraussichtlich bis Ende August.

Beschwerden gab es auch über Bauzäune, die Spaziergänger und Radfahrer am Kanal stoppen. So ärgert sich unser Leser Detlef Kiese darüber, dass er von der Herdieckstraße nicht mehr zum Kanal Richtung Hafen kommt.

Über den Parkplatz darf man ja zurzeit nicht gehen, denn der ist der Baufirma vorbehalten und abgesperrt. Und der Trampelpfad von den Resten der vor Jahren abgerissen Brücke runter zum Wasser ist ihm zu steil. "Mit dem Fahrrad kommt man da jedenfalls nicht lang", sagt Kiese. Er ärgert sich, dass abgesperrt wurde ohne eine Ausweichmöglichkeit zu schaffen.

Westnetz-Sprecherin Maren Frisch sagt auf Nachfrage, man plane, an der Herdieckstraße ein Schneise in Büsche zu schlagen und so einen provisorischen Weg zum Kanal zu schaffen. Vorher müsse aber noch das Okay der Untere Landschaftsbehörde abgewartet werden.

Am alten Zechenhafen, der nach langem Baustopp jetzt abgerissen werden soll und um den herum Westnetz noch Rohre zu verlegen hat (voraussichtlich ab August), werden Spaziergänger bis auf Weiteres wohl nicht durchkommen.

Das Abwasserrohr und das Rohr fürs Stromkabel werden am Kanal entlang bis zur Brücke am E.ON Infowürfel (Zur Seilscheibe) verlegt und von dort über den Kanal aufs Kraftwerksgelände.

Rund drei Kilometer lang sind die Strecken, zwei Drittel sind am Kanal schon geschafft. Fertig werden will Westnetz mit allem bis Ende Oktober 2015. Baukosten: "eine siebenstellige Summe".

Die Bombensuche im Zuge der Erdarbeiten hatte bislang nichts Explosives zutage befördert. Ein möglicher Blindgänger aus Kriegstagen auf einem privaten Grundstück an der Herdieckstraße erwies sich als Stahlrohr. Einen Verdachtsfall gibt es noch - nahe an der Kanal-Spundwand.

Westnetz betont, dass das Starkstrom-Anschlusskabel erst ins Lehrrohr eingezogen wird, wenn die Genehmigung fürs Kraftwerk erteilt ist.

Datteln-4-Gegner kritisieren die Arbeiten. So würde der Baustopp "unterlaufen", meinen die Grünen. Die Bezirksregierung hatte keine Bedenken, die Baugenehmigung kam vom Kreis.