Sand im Getriebe

Da war sprichwörtlich Sand im Getriebe. Der Wasserversorger Gelsenwasser hat jetzt im Ausschuss für Umwelt offiziell Bilanz gezogen nach der bakteriellen Verunreinigung von Trinkwasser im Beisenkamp Ende letzten Jahres. Fazit: Ein bisschen Sand in einer Muffe hat den Menschen in 28 Häusern am Südring und der Gertrudenstraße Trinkwasserprobleme und eine wochenlange provisorische Trinkwasserversorgung beschert.

Datteln.. Die Sandkörner waren trotz einer - laut Gelsenwasser - sauberen Arbeitsweise in eine der Steckverbindungen der neuen Leitungen geraten. Sie waren auch trotz diverser Durchspülaktionen nicht zu beseitigen. Sie hatten sich mit dem für solche Steckverbindungen erforderlichen Gleitmittel an einem Dichtring festgesetzt. Die Vertreter von Gelsenwasser machten im Ausschuss deutlich, dass trotz aller Bemühungen eine Baugrube "nun einmal kein steriler Bereich" sein könne.

Kleine Ursache, große Wirkung: Die Sandanhaftungen sorgten für eine mikrobiologische Verunreinigung. Im Wasser war bei Proben das Bakterium "Pseudomonas aeruginosa" entdeckt worden. Das findet sich je nach Witterung in unterschiedlicher Menge in jeder Pfütze, ist für gesunde Menschen ungefährlich, kann aber zum Beispiel bei offenen Wunden zu Entzündungen führen und hat deshalb im Trinkwasser nichts zu suchen.

Im Sommer 2014 waren im Bereich Südring 300 Meter neue Versorgungsleitung von Gelsenwasser verlegt worden - im sogenannten Rohreinzugsverfahren, bei dem ein neues Kunststoff-Rohr in die vorhandene, alte Leitung eingezogen wird.

Wegen Auffälligkeiten in Castrop-Rauxel bei einem ähnlichen Vorgehen wurde am 19. November vorsorglich auch in Datteln eine Überwachungsprobe am Südring entnommen. Zwei Tage später wurde die Verunreinigung offiziell bestätigt. Bis einen Tag vor Weihnachten dauerte es, bis Gelsenwasser mit allen Maßnahmen fertig war und sicher sein konnte: Alles ist wieder im grünen Bereich.

CDU-Mitglied Rolf Sonderkamp äußerte sich im Ausschuss kritisch zu dem verwendeten Rohreinzugsverfahren, sprach gar von einer "Bio-Bombe", weil sich zwischen der Außenhaut des neuen und der Innenseite des alten Rohres ein Hohlraum bilde, in dem sich Keime und Bakterien ungehemmt vermehren könnten. Und im Falle einer Leckage könnten diese Keime ins Trinkwasser gelangen, so seine Sorge

. Dem widersprachen die Gelsenwasser-Mitarbeiter. Dies sei nicht der Fall, da in den Wasserleitungen ein Druck von 16 Bar herrsche, also Überdruck. Im Falle von Undichtigkeiten sei deshalb eher das Problem, dass Wasser auslaufe.

Zugleich betonte das Unternehmen, dass dieses Verfahren preiswerter sei, was sich bei den Wasserkosten widerspiegele. Zudem würden Anwohner und Verkehr weniger belastet als bei herkömmlichen Baustellen.