Ohne schnelles Netz platzen alle Träume

Das Leben könnte so schön sein für Christian Beyer (35). Er könnte eine Umschulung zum Medien-Designer machen, er könnte hinterher einen Arbeitsplatz finden, auch als Schwerbehinderter ein ganz normales Leben führen. Das alles bleibt ein Traum, wenn Beyer weiterhin keinen schnellen Internet-Zugang findet.

Während Christian Beyers Körper wuchs, blieben seine Muskeln auf dem Stand eines Kindes. Doch der Marler lässt sich nicht unterkriegen, kann Maus und Tastatur bedienen. Als junger Mann machte er eine Lehre zum Bürokaufmann. Doch niemand wollte ihn beschäftigen - wegen seiner Behinderung und weil er in einem Berufsbildungswerk gelernt hatte, erzählt er.

Sich seinem Schicksal ergeben wollte und will der Hartz-IV-Empfänger nicht. Er machte sich auf die Suche. In Dortmund fand er ein privates College, das eine Umschulung zum Medien-Designer anbietet. Die Studenten können selbst wählen, ob sie präsent sein wollen oder zu Hause lernen. Nur Letzteres kommt für Christian Beyer in Betracht.

Alles kein Problem, dachte der Marler. Er hatte für seine Adresse bei der Telekom online die Verfügbarkeit eines schnellen Zugangs geprüft - und war begeistert. Mit 150 MBit pro Sekunde könne er künftig im Internet surfen, war da zu lesen. Beyer rief an, wollte das Paket sofort buchen, erlebte aber eine herbe Enttäuschung: "Die Frau am Telefon bestätigte erst, dass das möglich sei. Dann prüfte sie die Daten noch einmal und sagte mir, LTE sei hier doch nicht verfügbar."

Christian Beyer bot an, eine LTE-Richtantenne auf sein Hausdach stellen zu lassen, um so den Empfang zu ermöglichen. Barsche Antwort am Telefon: Das sei so im System nicht buchbar, basta - aus der Traum.
In unserer Zeitung las der Behinderte vom Vortrag eines Telekom-Vertreters. Er hatte angekündigt, Marl gehöre zu den Städten, die 2016 auf den neuen Standard ("50 MBit für alle") gebracht werden. Wieder schöpfte Beyer Hoffnung, wieder erhielt er eine Abfuhr: Seine Straße sei nicht in den Plänen markiert, hier fände keinerlei Ausbau statt, auch nicht im nächsten Jahr.

Während seiner Ausbildung muss Beyer aufwendige Präsentationen nach Dortmund schicken. Derzeit verfügt er über einen DSL 6000-Anschluss (6 MBit pro Sekunde), zwei Drittel der Leistungen kommen an. Daten ins Internet laden kann er aber nur mit 0,7 MBit pro Sekunde. Eine große Arbeit zu senden, das würde zwei oder mehr Stunden dauern - bei knappen Abgabefristen.

Die Telekom teilt 24 Stunden nach unserer Anfrage mit: Christian Beyer könne vom Festnetz auf Funk umstellen. Dann hätte er eine Leistung von 16 MBit pro Sekunde - gleichzeitig aber eine Daten-Begrenzung, die ihn wieder ausbremsen würde.