Mit der Rauschbrille durch den "Alkoholsumpf"

Zehn Millionen Menschen in Deutschland konsumieren so viel Alkohol, dass es gesundheitlich riskant ist. Knapp 1,8 Millionen Deutsche sind alkoholabhängig. Das ist Grund genug, junge Leute rechtzeitig zu warnen, zum Beispiel mit dem Projekt Gut drauf statt VollRAUSch.

Waltrop.. Dieses Projekt zieht das Kinder- und Jugendbüro gemeinsam mit der Drogenberatung und dem Theodor-Heuss-Gymnasium schon seit etwa sieben Jahren durch - auch in dieser Woche wieder im Lehnemannshof.

Mehrteiliges Konzept

Über einen ganzen Schultag erstreckt sich die Arbeit mit den Siebtklässlern. Daher sei die Intensität enorm, erklärt Maja Wolt vom Kinder- und Jugendbüro. Bewährt hat sich ein mehrteiliges Konzept: An einer Station schlüpfen die Schüler, angeleitet von Sozialpädagogin Petra Radtke von der Fachstelle für Suchtvorbeugung der Drogenhilfe Recklinghausen und Ostvest, in verschiedene Rollen. Sie mimen einen Polizisten, der vor erhöhtem Aggressionspotenzial betrunkener Jugendlicher warnt, oder eine Mutter, die hilflos und co-abhängig ihrem trinkenden Kind zusieht.

Fruststopper gesucht

Maja Wolt forscht in einem Abschnitt des Projekttages mit den Siebtklässlern nach Gründen, weswegen Menschen trinken - und die Gruppe erarbeitet "Fruststopper", also Alternativen zum Alkoholgenuss oder -missbrauch: Ein Gespräch mit der Freundin schlagen die jungen Leute vor. Auch ein Haustier könne trösten, oder einfach, den Tränen freien Lauf zu lassen.

Betrunkene Fans

Tatsächlich haben die zwölf bis 13-jährigen Schüler bislang kaum eigene Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Indirekt aber kann beinahe jeder etwas berichten: Im Fußballstadion hat Carolin neulich betrunkene Fans erlebt; das sei ziemlich eklig gewesen. Einen verkleideten Schlumpf am Rande des Dortmunder Rosenmontagszuges, der sich zum Affen machte, hat Jan beobachtet.

Rauschbrille verwirrt die Sinne

Wie das ist, wenn mehrere Promille durch die Blutbahn fließen, das simulieren die Schüler mit Rauschbrillen: "Man kann gar nicht mehr einschätzen, wie weit etwas entfernt ist", merkt Lia. Und am kinderleichten Puzzle seien sie auch gescheitert, sagt Carolin.
Später kommen Mitglieder der Selbsthilfegruppe Kreuzbund St. Peter zu Besuch. Bei deren eindrücklichen Berichten aus persönlicher Betroffenheit könne man eine Stecknadel fallen hören, erzählt Maja Wolt.

Info statt Abschreckung

Der Ansatz des Projektes, so Petra Radtke, sei nicht so sehr Abschreckung, sondern vielmehr, die Jugendlichen zu informieren - etwa darüber, wo die Grenzen zwischen Alkoholgenuss, -missbrauch und -abhängigkeit liegen oder darüber, dass es in allen Schichten Alkoholprobleme gibt - "nicht nur bei Obdachlosen". Ausgestattet mit genug Informationen seien die jungen Leute aber dann in der Lage, eine stabile eigene Haltung zu entwickeln.