Metalldiebe schlagen zu

Dreiste Metalldiebe schlugen auf dem Lohtor-Friedhof zu und ließen gleich eine ganze Grabplatte mitgehen.

Recklinghausen.. Den Metalldieben hat es nur einige Euro gebracht, der ideelle Schaden ist unermesslich: Unbekannte haben vom Grabmal des Bergwerkdirektors Johann Drissen auf dem Lohtor-Friedhof die Kupferplatte gestohlen. Die Stadt hat Anzeige erstattet. Wann genau die Täter die schwere Platte herausgerissen haben, ist unbekannt. Stadtführer Alfred Stemmler hat den Schaden entdeckt und vermutet, dass es "um Ostern herum" passiert ist.

Da das Grab sich nicht direkt an einem Weg befindet, sondern etwas versteckt am Friedhofsrand zur Halterner Straße hin liegt, fiel der Diebstahl nicht sofort auf. Im Verein für Orts- und Heimatkunde, der sich um den denkmalgeschützten Friedhof kümmert, ist das Entsetzen groß. "Der Verlust ist massiv", klagt der zweite Vorsitzende Georg Möllers. Nicht nur, weil Johann Drissen (1853-1907) als Direktor des Bergwerks General Blumenthal ein wichtiger Mann in der Stadt war, sondern auch, weil sein mit Schlägel und Eisen verziertes Grab ein außergewöhnliches Dokument Recklinghäuser Bergbaugeschichte ist.

Der Stein stellt einen Stollen dar, in den am unteren Rand Loren-Schienen führen. Die Oberfläche der Kupferplatte hatte die Optik von Kohle, darauf der Schriftzug: Ruhestätte der Familie Drissen. "Über der Figur des gekreuzigten Jesus stand ‚Glück auf‘, das war einzigartig", sagt Stemmler. Johann Drissen wurde nur 55 Jahre alt. "Er stand noch mitten im Leben, als ihn eine Lungenentzündung dahinraffte", berichtet Stemmler.

Drissen habe den Ruf eines "harten Knochens" gehabt, als "streng, aber gerecht" wurde er im Nachruf in der Recklinghäuser Zeitung gewürdigt. "Das sagt ja durchaus etwas über seine Persönlichkeit aus", meint Heimatvereinsvorsitzender Jürgen Pohl. "Im Privatleben galt Drissen als sehr großzügig und zuverlässig. Einen Freund in finanzieller Not hat er mit viel Geld aus seinem Privatvermögen geholfen", weiß Stemmler. Der Direktor wusste aus eigener Erfahrung, wie hart die Kumpel unter Tage schuften mussten. Den Grundstein zu seiner Karriere legte er mit 14 Jahren: Als Lehrling fuhr er zunächst auf Prosper in Bottrop ein. "Er hat sich hochgearbeitet. Dabei hatte er das Glück, dass der Industrielle Friedrich Grillo zu seinen Förderern zählte", berichtet Stemmler.

Die Hoffnung, dass die Kupferplatte wieder auftaucht, ist gering. "Ein Ersatz muss aber geschaffen werden", betont Pohl, "in diesem Zustand können wir das Grab auf keinen Fall lassen." Nun wird geprüft, ob anhand von Fotografien eine Kopie aus Kunststoff hergestellt werden kann. Die ist dann zumindest für Metalldiebe uninteressant.
Hinweise nimmt die Polizei entgegen: Tel. 550.