Menuhin-Haus verkauft

Früher war es ein Schandfleck von Alt-Marl. Als die Gesellschaft zur Förderung der Philharmonia Hungarica (PH) das Menuhin-Haus an der Hochstraße 1997 übernahm und ein Jahr später einzog, wurde es ein richtiger Hingucker, ein Schmuckstück der Marler Architektur. Jetzt steht ein Besitzerwechsel an. Es gibt schon einen notariellen Kaufvertrag, bestätigt Hubert Schulte-Kemper, Vorsitzender der PH-Fördergesellschaft, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Marl.. Wer demnächst in der alten Jugendstil-Villa residieren wird, wollte Schulte-Kemper nicht sagen. "Wir haben das Menuhin-Haus zum 30. September an einen Marler Unternehmer verkauft."

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich dabei um den Marler Bauträger Frank Wieschollek. Er bestätigte gestern auf unsere Anfrage, dass er das Haus privat gekauft hat. "Ich will mit meiner Firma (Wieko Planen & Bauen) und mit zwölf Mitarbeitern dort einziehen. Es gibt auch schon einen Vertrag über den Kauf des Erbpachtgrundstückes, das der Stadt gehört. Der Rat muss aber noch zustimmen." Zurzeit residiert die Firma Wieko in gemieteten Räumen an der Mainstraße.

Die Fördergesellschaft hat das Menuhin-Haus aus finanziellen Gründen verkauft. "Wir machen das hier alles ehrenamtlich. Und nun geht die Einnahmesituation gegen Null. Wir haben jedes Jahr ein Defizit von rund 15000 Euro zu verkraften", sagt Schulte-Kemper. Zuletzt seien auch noch die Einnahmen aus der Vermietung an Praktikanten aus dem Chemiepark weggebrochen. Einnahmen, die der Förderverein für die bald nötige Innenrenovierung gut gebrauchen könnte. Vereine wie der Schiller-Kreis oder Bridge-Club, die sich regelmäßig im Menuhin-Haus trafen, mussten sich neue Räume suchen.

Ursprünglich wollte der Haupt- und Finanzausschuss über den Verkauf des Grundstücks schon in seiner letzten Sitzung entscheiden. Doch die Entscheidung wurde vertagt. Die Politiker wollen das Thema noch einmal genauer unter die Lupe nehmen und voraussichtlich erst in der ersten Sitzung nach der Sommerpause entscheiden.