Kaum Hoffnung fürs "schwimmende Denkmal"

Am Ende seiner Grabesrede, wie Wolfgang Grundmann seine Erklärung zur angekündigten Rückgabe des Bootes Der Reservist nannte, bekam der Kapitän stehende Ovationen der rund 150 Gäste im voll besetzten Saal des DRK-Hauses.

Datteln.. Grundmann, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der ehemaligen Flussfähre Mannheim, erläuterte beim Reservisten-Neujahrsempfang, warum er und seine Crew sich zu diesem Schritt genötigt fühlen. Trotz mehrerer Bittgesuche habe es nicht die nötige Unterstützung durch die Bonner Bundesgeschäftsstelle des Reservistenverbandes gegeben. Briefe seien monatelang unbeantwortet geblieben.

Grundmann fordert vor allem eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Kosten. Bürgermeister Andr Dora hatte sich an allerhöchste Stelle gewandt: an Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. "Ich habe nicht mal eine Eingangsbestätigung bekommen", sagt Andr Dora. Grundmann kündigte an, der Verein werde am 6. Februar aufgelöst. Anwalt Dr. Thomas Hölscher sei bereits dabei, die Rückgabemodalitäten der ehemaligen Flussfähre an den Reservistenverband zu klären.

3.000 Spendeneuro, die der Verein jüngst von der Sparkasse Vest bekommen hatte, verteilte Grundmann an Dattelner Einrichtungen weiter. Technisch sei der Reservist noch in gutem Zustand, betonte Grundmann. Aber personell und finanziell gehe die Crew auf dem Zahnfleisch.

Für Datteln sei es eine "wehmütig machende Nachricht", dass das "schwimmende Denkmal" der Stadt verloren gehe, sagte Bürgermeister Dora. "Jeder Dattelner kann eine persönliche Geschichte mit diesem Boot verbinden." Gleichwohl habe er Verständnis für den "konsequenten Entschluss" Grundmanns.

Kein Verständnis hatte dagegen Hans Uwe Mergener, Bundesgeschäftsführer des Reservistenverbandes, für die scharfe Kritik am Verbandsvorstand. Der habe das Angebot unterbreitet, die Kosten für eine Schiffsführer-Ausbildung (mehr als 10.000 Euro) zu übernehmen. An den laufenden Kosten des Bootes könne sich der Verband aber nicht beteiligen, sagt Mergener. Das gebe der Etat nicht her. Der setze sich zusammen aus rund 15 Mio. Euro Steuergeld sowie 3 Mio. Euro Mitgliedsbeiträgen - Geld, das vor allem für die militärische Ausbildung ausgegeben werde. Der Bundesverband vertrete 115.000 Reservisten in 2.400 Reservistenkameradschaften, sagt Mergener und betont: Für ihn sei die Tür zur Rettung des Reservisten noch nicht zugeschlagen.

Für Grundmann schon. Er glaubt nicht, dass auf die Schnelle ein erfahrener Schiffsführer als Verstärkung gefunden werden könnte. Und selbst wenn: Dann gäbe es immer noch das Finanzproblem.