Josef-Pfarrhaus wird umgebaut

Die Zeichnung gleicht einem Schlachtplan. Die Skizze zeigt die Gebäude der Vestischen Kinder- und Jugendklinik. Von mehreren Häusern führen dicke Pfeile mit Nummern zu anderen Gebäuden und zurück. Es ist der Plan für ein Umzugspuzzle, das die Kinderklinik für die kommenden drei Jahre beschäftigen und Kosten in siebenstelliger Höhe mit sich bringen wird. Los geht das Puzzle im alten Pfarrhaus von St. Josef.

Datteln.. Das hat die Kinderklinik schon 2012 von der Amandus-Gemeinde für den Symbolwert von einem Euro übernommen. Hier war zwischenzeitlich die Station Kompass, die sich um traumatisierte Kinder kümmert, untergebracht. Die Klinik brauchte diesen Platzpuffer für einen großen Umbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Haupthaus. Jetzt ist die Kompass-Station zurückgekehrt und damit der Weg frei, das alte Pfarrhaus für neue Aufgaben umzubauen.

Die Baumaßnahmen, so sagt Berthold Freitag, Leiter des Wirtschafts- und Versorgungsdienstes der Kinderklinik, sollen im ersten Halbjahr 2015 starten und drei bis vier Monate dauern. Nach Fertigstellung bringt die Klinik hier die Sozialpädiatrie, die Schreiambulanz und die Ärztliche Beratungsstelle gegen Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern unter.

Im zweiten Schritt wird ebenfalls in diesem Jahr das Haus Beisenkampstraße 6 neben dem Streitenberger-Haus im Innern saniert. Hier findet das Eltern-Kind-Haus der Klinik ein neues Zuhause. In dem kümmert sich die Klinik um Familien mit vornehmlich kleinen Kindern, deren Eltern mit der Erziehung überfordert sind.

Ist dieser Umzug ebenfalls vollzogen, wird sich Berthold Freitag um das größte und teuerste Puzzlestück kümmern. Das alte Zechenhaus an der Lieferanteneinfahrt der Klinik, aktuell noch Standort fürs Elter-Kind-Haus, wird komplett abgerissen. Dort entsteht ein Neubau, der - und da schließt sich dann der Umzugskreis - die traumatisierten Kinder der Kompass-Station aufnehmen soll.

Dieses Komplett-Paket ist eine weitere Folge der Aufstockung der Psychiatrie um zehn Betten. Der Betreuungsbedarf für die Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird immer größer. Das Dilemma: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie hat im Vergleich zu Leuchtturmprojekten wie dem Kinder-Palliativzentrum keine Lobby. Das sagt Geschäftsführer Andreas Wachtel.

Die Psychiatrie gewinnt angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen immer mehr an Bedeutung, immer mehr Familien benötigen Hilfe. Aber Spenden zu generieren ist hierfür sehr schwierig. Deshalb sind die anstehenden Um- und Neubauten weitgehend über die allgemeine Baupauschale zu finanzieren.

Die Kinderklinik bekommt pro Jahr 400 000 Euro vom Land. Und zusätzliche Einnahmen über Wahlleistungen von Privatpatienten gibt es kaum. Und auch an anderer Stelle der älteren Klinik-Gebäude gibt es reichlich Sanierungsbedarf. Es sieht so aus, als wenn nicht nur Berthold Freitag sich mit einem schwierigen Puzzle befassen muss.