Integrationshelferin für OGS wird nicht bezahlt

Nico (6) ist ein fröhliches, aufgewecktes Kind. Der Junge geht seit diesem Schuljahr in die 1a der Lutherschule. Immer dabei ist Leonie Block (18). Die junge Frau ist seine Integrationshelferin, denn Nico ist körperlich gehandicapt, benötigt zum Beispiel Hilfe beim Toilettengang. Alles wäre bestens geregelt, wäre da nicht das Problem mit der Betreuung von Nico während des Offenen Ganztags.

WALTROP.. "Der Kreis will die Kosten für die Integrationshelferin in den Nachmittagsstunden, wenn der Offene Ganztag stattfindet, nicht übernehmen", sagt Sonja Mitulski, alleinerziehende Mutter des in der Klasse bestens integrierten Sechsjährigen, ratlos. Sie ist dringend darauf angewiesen, dass ihr Sohn auch nachmittags betreut wird, aber das geht eben nur mit Integrationshelferin. Zwar will Nico so viel wie möglich selbst machen, aber manches kann er eben einfach nicht ohne Hilfe. "Seine Knie sind zum Beispiel nicht im richtigen Winkel, wenn er sich hinsetzt", sagt Leonie Block.

Kreis kann nicht helfen

Kreis-Pressesprecher Jochem Manz bedauert auf Anfrage, der Kreis könne nicht helfen. Die Gesetze und die Rechtsprechung zu dem Thema seien eindeutig. Die Teilnahme am Offenen Ganztag sei nicht Teil des verpflichtenden Schulangebots, sondern eine freiwillige Veranstaltung. Voraussetzung dafür, dass die Kosten übernommen werden, ist laut Sozialgesetzbuch, dass es sich um "Hilfen für eine angemessene Schulbildung, vor allem im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht" handelt. Der Kreis habe nicht die finanziellen Spielräume dafür, die Nachmittagsbetreuung zu übernehmen, sagt Manz.

Doch Sonja Mitulski will so schnell nicht aufgeben, hat Widerspruch gegen den Bescheid des Kreises eingelegt. "Wenn der keinen Erfolg hat, werde ich wohl klagen", sagt sie. Denn so eindeutig ablehnend wie der Kreis es darstelle, sei die Auffassung der Gerichte in der Angelegenheit nicht. In der Tat gibt es auch ähnlich gelagerte Fälle, in denen Kläger Recht bekommen haben. Nico ist kein Einzelfall: Auf diversen Internetseiten werden einschlägige Urteile zum Thema OGS und Integrationshelfer publiziert und diskutiert.

Lebenshilfe hilft vorerst freiwillig

Aktuell stellt die Lebenshilfe Leonie Block erst einmal freiwillig dem Sechsjährigen auch während der OGS-Zeit zur Seite . "Wir wollen nicht, dass solche Auseinandersetzungen auf Kosten des Kindes ausgetragen werden", begründet der Abteilungsleiter Ambulante Dienste, Christoph Lücker, diese Entscheidung.