Hilfe für Fledermäuse kommt aus Datteln

Wenn kleine Fledermäuse große Bauprojekte stoppen, versteht manch einer die Welt nicht mehr. Einer, dem das Wohl der Flattermänner am Herzen liegt, ist der Dattelner Alfons Pennekamp (53). Beim Artenschutz ist es zwei vor zwölf, nicht mehr fünf vor zwölf, warnt er.

Datteln.. Ob Weiterbau der Autobahn 20 bei Bad Segeberg oder Abriss der Ringschule in Datteln - wenn Fledermäuse bedroht sind, müssen Bagger warten. Die Tiere sind per Gesetz geschützt weil sie vom Aussterben bedroht sind.
Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes verbietet es, Fledermäuse zu fangen, zu verletzen oder zu töten, sie in ihrer Winterruhe zu stören und ihre Quartiere zu zerstören. Deshalb dürfen beispielsweise leer stehende Gebäude wie die Ring- und Pestalozzischule eben nicht einfach abgerissen werden, wenn unterm Dach Fledermäuse vermutet werden.

In Recklinghausen hat Alfons Pennekamp Ende Januar ein Notfall-Set für Fledermäuse vorgestellt. Das besteht aus einer "Bat-Box", einem mit gerafftem Zeitungspapier ausgelegten Pappkarton, sowie einem Fledermaushaus zum aufhängen, das aussieht wie ein Meisenkasten. Zum Einsatz kommen die Notfallsets bei den Kommunalen Servicebetrieben Recklinghausen (KSR).

Wenn KSR-Mitarbeiter demnächst beim Fällen umsturzgefährdeter Bäume in Ritzen oder Löchern Fledermäuse entdecken, können sie das Fledermaushaus an den Nachbarbaum hängen, um ein Ausweichquartier zu bieten. Und sollte ein Tier verletzt sein, kommt es in die Bat-Box. Dann kann sich die AG Fledermausschutz im Kreis RE, der Pennekamp angehört, um das Tier kümmern. Die Fledermausfreunde haben eine Pflegestation zu Hause bei einem Waltroper Mitglied aufgebaut. Pennekamp findet des Engagement der Stadt Recklinghausen vorbildlich - und wünscht sich, dass Datteln dem nacheifert.

Fledermausschutz sei keine Gefühlsduselei von Naturfreunden, findet Pennekamp, im Hauptberuf Garten- und Landschaftsbauer. "Dort, wo Fledermäuse vorkommen, ist die Natur noch halbwegs intakt. Aber diese Lebensräume werden immer seltener." Und deshalb sind die Fledermaus und andere Tierarten eben bedroht - oder schon verschwunden. "Kiebitze oder die Feldlerche werden bei uns immer seltener, das Rebhuhn gibt’s schon nicht mehr", klagt Pennekamp.

Verschwindet eine Art, schadet das auch anderen. Werden Kreuzkröten selten, hat der Storch nichts zu fressen. Monokultur in der Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Zerstörung von Ruheplätzen und Lebensräumen sowie Futtermangel - das seien die Hauptgründe für den Rückgang der Fledermaus-Population. "Wir beobachten ein massives Artensterben in Europa und weltweit", klagt Pennekamp. Für ihn ist die Fledermaus ein Symbol für den Artenrückgang. Manch einer sehe das vielleicht nicht so dramatisch, weiß Pennekamp. Um das zu verstehen, müsse man "mit offenen Augen durch die Natur gehen".

Dass die Fledermaussuche in der Ringschule so lange gedauert hat, liege am Lebenszyklus der Tiere, die zwischen mehreren Quartieren wechseln, erklärt der Experte. "Man kann nicht nur einmal nachschauen."
Zurzeit halten Fledermäuse Winterschlaf, da können Störungen tödlich sein. Pennekamp rät, die Tiere einfach in Ruhe zu lassen. Und Hausbesitzer sollten sich sowieso freuen, wenn sich an ihrer Immobilie unter Dachvorsprüngen oder in Mauerritzen Fledermäuse einquartiert haben. "Dem Gebäude schaden sie nicht. Und wo Fledermäuse sind, gibt es im Sommer weniger Mücken."

@ www.fledermausschutz-kreisrecklinghausen.de


Fledermäuse in Datteln:

Ein Dutzend Fledermausarten gibt es in Datteln. Die viereinhalb Zentimeter kleine Zwergfledermaus ist die einzige Art, die sich gut entwickelt hat. Möglicherweise liegt das am Klimawandel. Die Teich- und die Wasserfledermaus leben u.a. am Kanal, haben E.ON gezwungen, an der Hafenbeleuchtung nachzubessern. Der Große Abendsegler ist ein Verbündeter von Naturschützern im Kampf gegen die geplante B 474n. Im Beisenkamp wohnt das Braune Langohr. Weitere Arten sind die Breitflügel- und die Rauhautfledermaus.