Grüne drängen auf Kampf gegen Plastiktüten

Plastiktüten sind leicht, billig, überall zu bekommen aber ein Umweltfrevel erster Ordnung, sagen ihre Gegner. Die Wählergemeinschaft Die Grünen will den Plastikmüll eindämmen und fordert in einem Antrag an den Rat eine Initiative für weniger Tüten. Vorbild ist die Stadt Recklinghausen.

Marl.. Johannes Westermann, dem Sprecher der kleinen Ratsfraktion, schwebt ein Aufruf aus dem Rathaus vor, unterzeichnet vom Bürgermeister. Darin könnten alle Einzelhändler gebeten werden, auf Plastiktüten zu verzichten und das auch in einem Vertrag mit der Stadt zu untermauern. Ähnliches sei in der Nachbarstadt bereits beschlossen und mit großem Erfolg umgesetzt worden.

"Der Ansatz ist falsch", argwöhnte Robert Heinze (FDP). Das zu beschließen und durchzusetzen, könne nicht Aufgabe eines Stadtrates sein. Und: "90 Prozent der Anbieter sind fremdbestimmte Filialisten." Solche Entscheidungen könnten nicht am Ort fallen. Es reiche, wenn der Rat sich "Spielereien" wie die Deklaration zur atomwaffenfreien Zone erlaube.

Ähnlich skeptisch äußerte sich Pirat Michael Levedag, früher Einkäufer eines Einzelhandelskonzerns: "Sie können hier so viel beschließen, wie Sie wollen. Die kümmern sich einen Sch... dreck darum."

Die "unkaputtbare" Tasche

So leicht wollte SPD-Sprecher Jens Vogel nicht aufgeben: "Ich appelliere, der Intention dieses Antrags zuzustimmen. Die Frage ist nur: Wie geht man das an?"

Bürgermeister Werner Arndt gelang am Ende ein Kompromiss: Der Rat verzichtete zunächst einmal auf einen formellen Beschluss. Im Gespräch mit Vertretern aller Marler Werbegemeinschaften will Arndt das Thema anschneiden und auf Möglichkeiten der praktischen Umsetzung in Marler Geschäften abklopfen. Von den Ergebnissen sollen die Politiker anschließend erfahren und dann weitere Entscheidungen treffen.

Mehrere Politiker schilderten während der Debatte auch eigene Erfahrungen: Eine Buchhandlung etwa habe sich von den Plastiktüten verabschiedet, so Werner Arndt. Dr. Friedrich Heinrich, Sprecher der "buergerunion", berichtete von einer "unkaputtbaren" Tasche, die er praktisch für all seine Einkäufe einsetze - man gewöhne sich schnell daran.