Gespinste beunruhigen Bürger

Gespenstisch wirken derzeit zahlreiche Bäume und Sträucher im Stadtgebiet. Raupen haben wie jedes Jahr zu dieser Zeit Stämme und Äste mit einem weißen Gespinst überzogen. Viele Bürger sind beunruhigt, da sie nicht genau wissen, ob von den Raupen eine Gefahr ausgeht. Am Sonntag wurde sogar zweimal die Feuerwehr gerufen. In der Tat muss man genau hinschauen: In Herten ist die harmlose Gespinstmotte genauso anzutreffen wie der Eichenprozessionsspinner, der durchaus gefährlich werden kann.

Herten.. Auch die beiden Feuerwehr-Einsätze gingen unterschiedlich aus: An einem Spielplatz an der Friedlandstraße in Scherlebeck entdeckten die Einsatzkräfte tatsächlich Bäume, auf denen Eichenprozessionsspinner leben. Sie sperrten den Bereich weiträumig ab; gestern entfernte eine Fachfirma mit einem Spezialsauger die Raupen. An der Lyckstraße hingegen fand die Feuerwehr lediglich Gespinstmotten vor - und musste nicht tätig werden.
Auf Nachfrage unserer Zeitung schildert der städtische Baumsachverständige Lars Kuhnt die Situation in Herten: An Orten, an denen in der Vergangenheit der Eichenprozessionsspinner gehäuft auftrat - etwa in Bertlich -, habe man vorbeugende Mittel gespritzt (Bakterien, die das Wachstum der Raupen stoppen). Dadurch gebe es in diesem Jahr fast keine Probleme mit Eichenprozessionsspinnern. Das Auftreten an der Friedlandstraße sei ein Einzelfall.

Dagegen gebe es zahlreiche Bäume und Sträucher im Stadtgebiet, die von Gespinstmotten mit einem silbrig glänzenden Schleier verhüllt wurden. Dieser schützt die Raupen vor Fressfeinden. Eine Gefahr für Menschen bestehe nicht, so Lars Kuhnt. Allerdings fressen die Raupen die Gehölze kahl. In der Regel treiben die befallenen Bäume mit dem Johannistrieb Ende Juni wieder aus. Dann werden die Raupen zu Schmetterlingen und nach kurzer Zeit sind auch die weißen Netze wieder verschwunden.

Wie erkennt der Laie, um welche Raupe es sich handelt?

  • Gespinstmotte: Die Raupen sind gelblich/grünlich und tragen je nach Art unterschiedlich viele Reihen schwarzer Punkte. Sie haben keine Haare und kommen an vielen verschiedenen Gehölz-Arten vor.
  • Eichenprozessionsspinner: Dessen pelzige Raupen haben lange Härchen, die Haut- und Augenreizungen, Asthma-Anfälle, Fieber und sogar einen allergischen Schock auslösen können. Während ihrer Nahrungssuche kriechen die Raupen als Verband mit bis zu 100 Tieren über die Bäume (daher Prozessionsspinner). Sie sind fast nur auf Eichen, bei Nahrungsknappheit auch auf Hainbuchen zu finden.

Insbesondere Kinder sollten von Eichenprozessionsspinner fern bleiben. Deshalb wird der Zentrale Betriebshof auch sofort tätig, wenn diese Raupen an Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen auftreten. Für Gespinste auf Privatgrundstücken hingegen ist der Eigentümer zuständig.
Rückfragen an Lars Kuhnt, Zentraler Betriebshof, Tel. 02366/303107