Gelungenes Miteinander in der Autowerkstatt

Was hat eine Autowerkstatt mit gelungener Integration zu tun? Im Falle der Hertener Betriebs Autofit eine Menge, finden Regierungspräsident Reinhard Klenke und die Handwerkskammer Münster. Gemeinsam mit dem türkischen Generalkonsul Ufuk Gezer besuchten sie das deutschtürkische Unternehmen in Herten.

Langenbochum.. Nein, leicht war ihr Werdegang nicht, erinnern sich Ayhan Kamali und Ismail Arslan. 2006 haben sich die beiden Deutschtürken mit ihrem Kfz-Betrieb selbstständig gemacht. Bis es so weit war, spürten sie oft am eigenen Leib, wie schwierig das Thema Integration und Ausbildung sein kann. Arslan etwa musste nach der Schule 55 Bewerbungen schreiben, bevor er die Chance auf einen Ausbildungsplatz bekam. Kamali quälte sich derweil durch eine Umschulung. Sein vorheriger Arbeitgeber war nämlich pleitegegangen.

Die beiden Autofit-Inhaber haben es geschafft. Heute versuchen sie, jungen Menschen Chancen zu geben - egal, welchen kulturellen Hintergrund sie haben. Arslan: "Wo jemand herkommt, spielt keine Rolle. Wir wollen nur, dass Jugendliche Einsatz zeigen. Auch unsere Kunden kommen von überallher. Das ist doch toll!"
Um das Miteinander zu stärken, engagieren sich die Inhaber nicht nur innerhalb des Betriebs. Kamali: "Wir haben eine Kooperation mit der Rosa-Parks-Schule, wo wir regelmäßig unseren Beruf vorstellen und Praktika ermöglichen. Außerdem wirke ich ehrenamtlich im Projekt ,Pangea‘ mit und helfe Jugendlichen bei den Hausaufgaben." Dass Jugendliche Ihnen zuhören, liegt nicht zuletzt am Beruf. Kamali: "Viele finden Autos spannend. Damit holen wir auch die ab, die schulisch schwächer sind."

Die Biografien und das Engagement der beiden Deutschtürken lockten jetzt illustre Gäste in die Werkstatt: Zwischen Autobühnen und türkischem Tee diskutieren Regierungspräsident Reinhard Klenke, der türkische Generalkonsul Ufuk Gezer und Vertreter der Handwerkskammer über gelungene Integration. Der Hertener Betrieb sei ein Paradebeispiel dafür, ist sich der Regierungspräsident sicher.

Generalkonsul Ufuk Gezer lobt das Engagement der beiden Hertener: "Wir müssen Migranten das Gefühl geben, dass sie Zuhause sind und sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen." Regierungspräsident Reinhard Klenke fügt hinzu: "Ich danke Ihnen für Ihre ehrenamtliche Arbeit. Sie machen etwas vor, was andere nachmachen können."

Mehr Einsatz fordert Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster: "Es wäre schön, wenn sich türkische Unternehmer häufiger ehrenamtlich in den Gremien der Handwerkskammer engagieren würden. Denn die Zahl der Selbstständigen mit türkischen Wurzeln nimmt schließlich zu."

Wie gut klappt Integration in Deutschland generell? Ayhan Kamali: "Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: schwierig. Heute glaube ich aber, dass wir auf dem richtig Weg sind."