Gärtner nach Unfall auf Spielplatz in Datteln wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Der morsche Schaukelpfosten, der in Datteln eine 18-Jährige aus dem Leben riss.
Der morsche Schaukelpfosten, der in Datteln eine 18-Jährige aus dem Leben riss.
Foto: Andreas Kalthoff (Archiv)
Was wir bereits wissen
Ein Mitarbeiter der Dattelner Stadtverwaltung muss nach einem tödlichen Unfall auf einem Spielplatz wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Datteln.. 21 Monate nach dem tödlichen Spielplatzunglück von Datteln-Meckinghoven muss sich ein 61-jähriger Mitarbeiter der Dattelner Stadtverwaltung am Donnerstag, 5. März, in Recklinghausen vor Gericht verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Bochum: fahrlässige Tötung.

Hat eine ausreichende Kontrolle der Pfosten der Unglücks-Schaukel stattgefunden? Das ist die entscheidende Frage, die im Prozess geklärt werden soll.

Holz war morsch

Ein 20 Zentimeter dicker und sechs Meter langer Holzpfosten einer Schaukel war am 26. Mai 2013 unterhalb der Grasnarbe gebrochen - weil das Holz dort morsch war. Der Pfosten stürzte um und erschlug eine 18-jährige Waltroperin. Das Unglück und das unfassbare Leid der Familie sorgte bei Menschen in Datteln und der Region für Bestürzung. Auch der Angeklagte soll bis heute massiv unter dem Geschehen leiden.

Tödlicher Unfall Ob unter Umständen auch Vorgesetzte des Spielplatzkontrolleurs zur Rechenschaft gezogen werden könnten, müsse die Hauptverhandlung ergeben, sagte uns Staatsanwalt Dr. Christian Kuhnert auf Nachfrage. Die Stadtverwaltung will sich zur Sache nicht äußern.

In der Anklageschrift erhebt der Staatsanwalt den Vorwurf, der Spielplatzkontrolleur hätte kürzere Wartungsintervalle veranlassen müssen und stützt sich auf Erkenntnisse eines Gutachters. Vom Hersteller war eine jährliche, gründliche Kontrolle vorgeschrieben. Doch angesichts des Alters des Holzspielgeräts (Inbetriebnahme war 2005) sowie des sumpfigen Bodens des Spielplatzes an der Bahnhofstraße wäre eine halbjährliche Inspektion angebracht gewesen, meint der Staatsanwalt. So hätte die morsche Stelle rechtzeitig entdeckt und das Unglück verhindert werden können.

Funktionskontrolle zwei Tage vor dem Unglück

Die letzte große Inspektion wurde am 5. Juli 2012 dokumentiert - ohne Beanstandung. Besonders tragisch: Am 24. Mai 2013, zwei Tage vor der Tragödie, gab es eine Funktionskontrolle. Dabei wurde aber nicht die Standfestigkeit, sondern nur der äußerliche Zustand des Spielplatzes (Seile, Sitzflächen, Sauberkeit) kontrolliert.

Zum Hauptverhandlungstermin am 5. März (9 Uhr, Amtsgericht Recklinghausen) sind zwei Sachverständige sowie drei Augenzeugen des tragischen Geschehens geladen.

Im Prozess wird die Familie des Opfers durch einen Nebenklage-Anwalt vertreten. Das Ende der Verhandlung ist offen.

Bei einer Verurteilung drohen dem angeklagten Gärtnermeister maximal fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe.