Erinnerungen an den Einmarsch der Amerikaner

Zwölf Jahre alt war Helmut Tylinski (82), als die Amerikaner in Oer-Erkenschwick einmarschierten: Diese Bilder werde ich nie vergessen. Große Sherman-Panzer sind auf uns zugerollt. Da habe ich zum ersten Mal farbige Soldaten gesehen. Die warfen auch noch Schokolade vom Turm herunter. Für Kinder war das damals wie pures Gold.

Oer-erkenschwick.. Abgespielt hat sich das am 2. April 1945. "Ich weiß das noch ganz genau. Morgens um 11 Uhr haben wir im Bunker an der Ahsener Straße gesessen. Die Amerikaner kamen aus Oer. Eine Panzerkolonne fuhr Richtung Friedhof, die andere zum Hünenplatz", sagt Tylinski, der damals an der Stimbergstraße 283 wohnte.

Bunkerwart Kulik schickte Friedchen Gruhn mit einer weißen Fahne den Amerikanern entgegen. "Die konnte Englisch sprechen und sollte den Soldaten sagen, dass wir uns ergeben", erinnert sich der 82-jährige Oer-Erkenchwicker. Auch für die Kinder war das Kriegsende eine Erlösung.

An einen Bombenangriff zur Mittagszeit erinnert sich Tylinski nicht so gerne: "Es gab Linsensuppe, und weil wir keine Zeit mehr hatten, in den Bunker zu kommen, haben wir uns im Keller verkrochen. In der Nähe gab es einige Tote, auch der Friedhof wurde getroffen." Ansonsten gingen Kinder damals ganz furchtlos mit explosiven Dingen um. "Einen Tag später habe ich mit vier Kameraden an der Ecke Körnerstraße einen Fünf-Zentner-Blindgänger vom Fahrradweg in einen Vorgarten gerollt."

Ein schlimmes Ereignis wurde kurz vor Kriegsende noch verhindert. Tylinski sagt: "Bürgermeister Weikert wollte mit Blindgängern das Gerüst von Schacht II sprengen lassen. Dazu kam es aber nicht mehr."
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