Ein Hirsch macht Luxusurlaub

Hans-Hubert ist umgezogen. Oder vielmehr: Er macht Luxusurlaub. Wer jetzt irritiert bis verständnislos dreinschaut, dem sei gesagt: Hans-Hubert ist ein Damhirsch. Und er muss zwischenzeitlich seinen Aufenthaltsort wechseln, weil sonst die Gefahr der Inzucht besteht.

Waltrop.. Damhirsch Hans-Hubert lebt sonst im Wildgehege Grutholz in Castrop-Rauxel, findet jetzt aber in Oberwiese Unterschlupf - bei Biotechnologin Katharina Berse, Dipl.-Landwirt Theo Hemmerde und deren Sohn Christian.
Denn zurzeit - von Ende September bis Anfang November - ist Brunftzeit. Im Wildgehege Grutholz lebt Damhirsch Hans-Hubert schon seit sechs Jahren. Paaren sich die Hirsche weiter mit den Hirschkühen, kann es zu Fehlbildungen bei den Kälbern kommen.

Frisches Gras und Fallobst

Für den Vierbeiner sei der Wohnungswechsel ein wahrer Luxusurlaub, erklärt Marianne Scheer vom Förderverein Wildgehege Grutholz. Als Hans-Hubert aus dem Transportfahrzeug in Oberwiese ausstieg, fand er sich direkt an einer Obstwiese wieder mit frischem Gras und Fallobst. "Das bekommt er im Wildgehege nur von Besuchern", so Marianne Scheer.

Spannende Schafe

Zehn Muttertiere und vier Damwildkälbchen erwarteten Hans-Hubert in seinem neuen Zuhause. Er habe etwas Zeit gebraucht, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, so Marianne Scheer. Die Obstwiese grenzt an eine Schafweide. "Schafe hatte Hans-Hubert noch keine gesehen, fand sie aber total spannend." Hühner waren Hans-Hubert schon eher bekannt. Auch für die Laufenten und Alpakas zeigte er wenig Interesse.

Reichlich Eicheln

Von der Obstwiese aus kann das Damwild durch einen Tunnel in ein Waldstück gelangen, in dem zurzeit reichlich Eicheln zu finden sind. Katharina Berses Großvater habe das Wildgatter 1970 so angelegt, erklärt Marianne Scheer.

Nachwuchs

Familie Berse-Hemmerde hatte zwischenzeitlich auch das Wildgehege Grutholz mehrfach besucht und sofort guten Kontakt zu den Tieren bekommen. So ist nun der vierjährige Damhirsch Wölkchen mit seinem Vater Hans-Hubert nach Waltrop umgezogen und wird dort in den nächsten Jahren für frisches Blut sorgen. "Für die Zukunft bekommen wir nach der Brunftzeit von Berse-Hemmerdes einen Spießer - also einen einjährigen Hirsch", sagt Marianne Scheer. Der werde im Wildgehege Grutholz für Nachwuchs sorgen.