Dieser Mann schnitzt Osterhasen

Ohne ein lächeln geht Willi Suttmeier selten aus dem Haus. Er hat es stets in der Tasche. Er hat dieses kleine Zauberwort aus Holz ausgesägt: lächeln. Manchmal stellt er es irgendwo hin und verschenkt es. Um Willi Suttmeier herum wird überhaupt viel gelächelt. Zurzeit sind es die Osterhasen. Die lächeln aus jedem Winkel seines Distelner Hauses.

Disteln.. Willi Suttmeiers Frau Karola lächelt auch. Fast 20 Jahre ist ihr Mann schon im Ruhestand. Die beiden kommen sich nie ins Gehege. Karola Suttmeier backt und kocht mit Hingabe und werkelt in der Wohnung. Der 76-Jährige steigt bei gutem Wetter aufs Fahrrad ("inzwischen ein E-Bike"), bei schlechtem Wetter rückt er in seine "Bastel-Garage" ab. Die Erklärung, wie er auf seine Freizeit-Arbeit gekommen ist, bekommt man natürlich lächelnd: "Ich hab’ hier im Haus nach Staub gesucht und nichts gefunden."
Willi Suttmeier ist gelernter Schriftsetzer und hat bis 1997 im Betrieb seines Bruders mitgearbeitet. Nach einem Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag blieb nicht mehr viel freie Zeit. Die Hobbys wurden auf später verschoben.

Mit 57 Jahren legte der "Hasen-Dompteur" richtig los. Zur Bastelgarage kam der Wintergarten als zweiter Arbeitsraum und der Partykeller als Ausstellungsraum.

Die Hasen sind natürlich längst nicht die einzigen Tiere in seinem hölzernen Zoo. Enten, Pferde, Fische, Vögel, Schildkröten, Eulen, Elche und mehr bevölkern Tische und Regale. Seine Hasen gibt es in Naturholz-Tönen oder bunt angemalt, als Eiertablett oder Halter für ein Osterei. Es gibt sie in klein und knubbelig oder groß und schlank.

Natürlich wäre Suttmeiers Haus längst überbevölkert, wenn der 76-Jährige nicht auch verkaufen und verschenken würde. Viele kennen den Distelner Bastler und geben konkrete Aufträge oder lassen sich von ihm inspirieren und Sachen nachbauen.

Willi Suttmeier arbeitet gern mit Holz. Besonders Obstbaum-Hölzer schätzt er wegen ihrer Farbigkeit: "Sie gehen bis in tiefe Rot- und Blautöne", sagt er. Aber er liebt auch Kiefernholz: "Das riecht so schön." Zurzeit arbeitet er viel mit Pflaumenbaumholz. Tischler-, Sperrholz- und Spanplatten gehören zur Standardausrüstung.
Ob Hasen, Herzen, Kreuze, Blumen: Es steckt viel Arbeit in jedem Stück. "Das Aussägen ist das Wenigste", erzählt Willi Suttmeier. Aufs Schleifen und Polieren kommt es an. Das macht er gerne, denn insgesamt geht es ihm um den Spaß an der Sache: "Die Arbeit bekommt man nicht bezahlt."

Angefangen hat vor 20 Jahren alles einmal mit einer Weihnachtskrippe. Weil die allgemein so gut ankam, musste er damit in Serie gehen. Und weil nach Weihnachten ja das neue Jahr beginnt, musste auch neue Arbeit her. So bekam der Weihnachtsmann den Osterhasen zum Nachfolger. "Ich muss etwas schaffen, was ich sehen kann." Zwischendurch spielte der Schriftsetzer wieder mit Buchstaben. Und heraus kam ein "lächeln".