Die Blaumänner sind weg

Es ist still geworden am alten Deitermann-Standort Lohstraße. Und das ist wörtlich gemeint. Dort, wo in der Spitze mehr als 320 Mitarbeiter mit der Produktion von Bauchemie-Produkten beschäftigt waren zu Zeiten, in denen Deitermann über Deutschlands Grenzen hinaus einen guten Ruf hatte, ist kein einziger Blaumann mehr zu sehen.

Datteln.. Auch die Lkw-Kolonnen sind verschwunden. Das Werk an der Lohstraße ist seit Jahresbeginn nur noch ein reiner Verwaltungsstandort des Unternehmens Saint Gobain Weber, zu dem das Werk seit 2009 gehört.
Betriebsratsvorsitzende Gabriele Mögling beziffert die Zahl der verbliebenen Mitarbeiter auf ca. 180, die Verwaltungsaufgaben erfüllen - Schreibtisch-Jobs, keine Produktionsarbeitsplätze mehr.

Ende 2014 wurden an der Lohstraße die letzten Gebinde gemischt und abgefüllt - Fliesenkleber & Co. Jetzt stehen die Werkshallen leer. Parallel dazu hat die neue Werkshalle neben der Bitumen-Produktionsanlage an der B 235 den Betrieb aufgenommen. Dort wird Trockenpulver aus dem sauerländischen Finnentrop angeliefert und zusammen mit dem Bitumen zu einem Zwei-Komponenten-Produkt abgefüllt und gelagert.

Der ursprünglich in Natrop geplante Mischturm scheiterte 2013 letztlich an Bürgerprotesten gegen den Bebauungsplan. Langwierige Klageverfahren waren der Geschäftsleitung zu unsicher.

Es gab letztlich eine Kompromisslösung ohne Turm. Das hat zum einen die Folge, dass nun das Pulver per Lkw nach Natrop angeliefert wird. Zum anderen haben 14 Mitarbeiter deshalb zum Jahresende ihre Kündigung erhalten. Wieder eine Kündigungswelle, wie sie die "Deitermänner" in den letzten Jahren immer wieder erleben mussten. Das Angebot, nach Finnentrop zu wechseln, hätten fast alle abgelehnt, sagt Mögling.

Für 2015 habe die Konzernleitung nach Angaben Möglings in einem Interessensausgleich zugesichert, dass es keine weiteren, betriebsbedingten Kündigungen geben soll. "Ein Jahr, in dem wir endlich mal etwas Luft holen können", gibt die Betriebsratsvorsitzende die Stimmung in der Restbelegschaft wieder.

In die Glaskugel will Gabriele Mögling nicht schauen. Die Frage, welche Perspektive ein Rumpf-Verwaltungsstandort in so einem großen Konzert wie Saint Gobain habe und was mit dem Standort Lohstraße wird, lässt die Dattelnerin unbeantwortet. Ein Anruf in der Pressestelle des Unternehmens brachte ebenfalls keine Antworten.

Der Bebauungsplan für das Areal an der Lohstraße sieht Handwerk und Gewerbe vor. Allerdings gibt es für das Gelände eine Altlastenproblematik. 2001 wurde eine Verseuchung des Grundwassers unter dem Gelände des Bauchemie-Spezialisten mit krebserregenden Stoffen entdeckt. Deren Abbau wird seit längerem mit der Zugabe von Sauerstoff über 29 Brunnen forciert. Es ist nicht auszuschließen, dass der Erfolg dieser Maßnahme auch über die zeitlichen Pläne für das alte Deitermann-Werk mitentscheiden wird.