Der Fels in der Brandung

Als Kind habe ich hier auf den Dächern gespielt, bin in Teerfässer gefallen, weiß wo im Krieg jede Bombe runtergekommen ist und habe in den Ferien als 14-Jähriger im Akkord gearbeitet. Ich weiß, was es heißt, neun Stunden am Band zu stehen, sagt Frank Becker. Heute wird der Unternehmer 75 Jahre alt.

Datteln.. In den Produktionshallen für Draht und Ketten in Meckinghoven aufgewachsen, studierte der Volljurist in München, bevor er 1967 dem Ruf seines Vaters Wilhelm folgte, in die Firma Becker-Prünte einzusteigen.

Als der Vater im August 1968 bei einem Unfall ums Leben kam, "saß ich an dem Abend in dem etwas zu großen Stuhl, war nichts, hatte nichts und versuchte, den Betrieb am Laufen zu halten", erinnert sich Frank Becker.

Zwischen 650 und 700 Angestellte hatte Becker-Prünte damals, in Hochzeiten waren es 1 000. "Wir sind mit dem Bergbau gewachsen und gestorben", sagt Becker. Ende der 80er-Jahre verschlechterte sich die Situation am Markt.

Teile des Betriebs wurden ausgegliedert, an andere Firmen abgetreten. Dann kaufte Frank Becker die zwischenzeitlich pleite gegangenen Kettenwerke zurück - mittlerweile gehören sie zur polnischen Fasing-Gruppe - und vor fast drei Jahren holte er die Drahtwerke zurück. Das Unternehmen wäre sonst liquidiert worden. "Ich find’s schlimm, wenn die Mitarbeiter auf der Straße stehen", lebt Becker soziale Verantwortung. Mit Tochter Bettina leitet er heute unter anderem die Drahtwerke.

Ans Aufhören denkt der Mann, der mit seinem Betrieb eine Einheit bildet, in den Vorständen zahlreicher Meckinghover Vereine, bei der IHK und dem Arbeitgeberverband gearbeitet hat, nicht. Kürzer treten möchte er. Auf die Frage, was er sich zum Geburtstag wünsche, entgegnet er: "Einen Auftrag für einen Lkw voll Drahtmatten."

Am heutigen Dienstag, 14. April, gratuliert die Belegschaft beim Frühstück.