Dem Klüngelskerl droht das Aus

Schrotthändler Heiko Gläser (42) sammelt Altmetall bei Privatkunden ein. Als Klüngelskerl ist der Unternehmer aber derzeit nicht mehr unterwegs, zu unsicher ist ihm die Rechtslage.
Schrotthändler Heiko Gläser (42) sammelt Altmetall bei Privatkunden ein. Als Klüngelskerl ist der Unternehmer aber derzeit nicht mehr unterwegs, zu unsicher ist ihm die Rechtslage.
Foto: WAZ FotoPool
Kommunen machen Schrotthändlern das Leben schwer und wollen selber verdienen. „Wir stehen von heute auf morgen vor dem Nichts“, sagt Heiko Gläser.

Recklinghausen..  Schrotthandels-Lkw in einer Straße, das dürfte Eindruck gemacht haben. Gesehen hat Heiko Gläser diese Kolonne auf YouTube bei einer Demo in Koblenz gegen das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz. Der 42-Jährige ist selber Schrotthändler in Recklinghausen, aber als typischer „Klüngelskerl“ traut er sich derzeit nicht mehr zu fahren. „Ich bin unschlüssig, was ich noch darf und ob ich womöglich eine Strafe bekomme, wenn ich arbeite.“

Grund für die Aufregung ist das neue Gesetz, das am 1. Juni in Kraft getreten ist. „Wir Schrotthändler dürfen keine Elektrogeräte, Waschmaschinen, Herde oder Motoren mehr transportieren“, beschreibt er in einem Flugblatt, das auch an alle Kollegen verteilt wird. Was an diesen Geräten plötzlich gefährlich sein solle, erschließt sich ihm nicht. Jede andere Sammlung von ungefährlichen Schrottsammlungen müsse drei Monate vorher gemeldet werden — „mit genauen Angaben was und wie viel, wie soll das denn gehen? Ich weiß doch vorher nicht, was die Leute drei Monate später an die Straße stellen“, empört sich der Schrotthändler. Mit seiner Reisegewerbekarte, die ihm das „Feilbieten und Ankaufen von Rohprodukten“ erlaubt, wie es schön im Amtsdeutsch heißt, wähnte er sich bisher sicher.

„Ganze Branche wird plattgemacht“

Das neue Gesetz bereitet ihm schlaflose Nächte: Der Mann aus dem Stadtteil Grullbad weiß nicht, wie er Frau und Töchter ernähren oder vom Arbeitsamt vermittelte Hilfskräfte bezahlen soll. „In Kürze dürfen wir gar keinen Schrott mehr von privaten Haushalten abholen, das Ende aller Schrotthändler“, befürchtet er. Seit 25 Jahren macht Gläser das, „eigentlich von klein auf, als ich als kleine Kröte bei meinem Vater mitfuhr“.

Und die Bürger müssten ihre Altgeräte und Metallschrott bald an die Städte und Gemeinden abgeben, kostenlos, „eine Zwangsenteignung“. Beim Schrotthändler gibt es wenigstens noch ein paar Euro. Kostenlos Abholen könnten die Klüngelskerle ohnehin kaum noch, meist sei es Ankauf. Immer neue Auflagen wie die Kraftfahr-Grundausbildung, aber auch bestehende Abgaben und Kosten sorgten dafür, dass nicht viel Gewinn übrig bleibe. „Allein für die Krankenkasse muss ich 500 Euro pro Monat erwirtschaften.“

Ob er noch eine neue Genehmigung bekommt, weiß Gläser nicht. „Ich habe keine Informationen, wie sich das alles auswirkt.“ Das Kreislaufwirtschaftsgesetz hält er für „ein fadenscheiniges Argument der Kommunen, die sich die Taschen selber voll machen wollen“. Jetzt versucht Gläser, eine Protestwelle unter den Schrotthändlern auszulösen. „Lasst das nicht stillschweigend geschehen“, ruft er seine Kollegen mit einem Flugblatt auf und bittet, sich bei ihm zu melden (www.schrottabholer.de). „Da wird eine ganze Branche mit Tausenden Menschen plattgemacht.“

Der Beschluss kam so plötzlich, „man hat keine Alternative, sich vielleicht umzustellen“, klagt Gläser. „Man steht von heute auf morgen vor dem Nichts, hat Angst, wenn man noch fährt, und kommt sich vor wie ein Verbrecher.“ Dabei sei bei ihm alles offiziell. Er will nicht mit den illegalen Sammlern und Sperrmüll-Plünderern in einen Topf geschmissen werden.