City-Kreisel ist offiziell kein Unfallschwerpunkt mehr

Der Kreisverkehr am Busbahnhof gilt offiziell nicht mehr als Unfallschwerpunkt. Das teilten Stadt und Kreis auf Anfrage mit. In dem erst 2014 eröffneten Kreisel hatte es binnen weniger Monate mehrfach gekracht, immer waren Rad- oder Rollerfahrer beteiligt. Die Verkehrsunfallkommission sollte daher entscheiden, ob und wie baulich nachgebessert werden muss.

Herten-mitte.. Doch statt einer Handlungsempfehlung gab die Gruppe aus Vertretern von Bezirksregierung, Kreis, Stadt und Polizei Entwarnung: Der Busbahnhof-Kreisel gilt nicht mehr als Unfallschwerpunkt. Kreissprecher Jochem Manz fasst die Begründung zusammen: "Alle Unfälle sind auf Fahrfehler der Beteiligten zurückzuführen. Aber sie haben nichts mit der Architektur des Kreisverkehrs zu tun."

ADFC war gegen Radspur
Um eben diese Architektur wurde im Vorfeld gerungen, berichtet Klaus Droste, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Herten: "Während der Planung hat unser Verein darauf gedrängt, dass die Radfahrer zusammen mit den Autos auf der Straße fahren." Dies sei die sicherste Variante, bestätigt auch Jürgen Berlitz, Verkehrsexperte des Allgemeinen Deutschen Autoclubs (ADAC).

In Herten ließ sich diese Bauweise jedoch nicht umsetzen, erläutert Stadtsprecherin Nele Landero - der Platz reiche einfach nicht aus. Stattdessen werden Radler jetzt auf einer roten Spur, einem sogenannten "Einrichtungsradweg", auf dem Bürgersteig um den Asphalt herumgeführt - und queren den Kreisel somit an jeder Ein- und Ausfahrt nebst Zebrastreifen. Dabei haben die Radler Vorfahrt. Ein Umstand, den Klaus Droste vom ADFC problematisch findet: "Viele Autofahrer wissen gar nicht, dass sie warten müssen."

Auf Einzelfehler zurückzuführen
Die gleiche Bauweise wie jetzt in Herten hatte es bereits im Zentrum von Oer-Erkenschwick gegeben. Dort kam es zu zahlreichen Unfällen. Die Stadt reagierte und entfernte die Radspur - Radfahrer müssen seitdem schieben. Doch auch diese Regelung scheint nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein: Viele Radler in der Stimbergstadt steigen jetzt nämlich einfach nicht ab.

Die Argumentation der Kommission, die Unfälle in Herten seien auf Einzelfehler zurückzuführen, kann Klaus Droste vom ADFC nachvollziehen: "In vielen Fällen fahren die Radler in die falsche Richtung. Das geht nicht - man sollte man sich als Teil des Straßenverkehrs verhalten." Droste glaubt auch, dass der Kreisverkehr baulich unproblematisch ist.

Überhaupt sei es oft nur eine Frage der Zeit, bis neue Verkehrslösungen funktionieren, glaubt Berlitz vom ADAC: "Die Menschen gewöhnen sich daran."