Chefarzt zahlt Entschädigung

Der „Tatort“:  Die LWL-Klinik Herten betreut Menschen mit psychischen Erkrankungen. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool
Der „Tatort“: Die LWL-Klinik Herten betreut Menschen mit psychischen Erkrankungen. Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Herten.. Mobbing in der LWL-Klink in Herten? Vier lange Sitzungen beschäftigte sich das Arbeitsgericht Herne unter Vorsitz von Richterin Marlies Rohkämper-Malinowski mit dieser Frage.

Und nach der Verhandlung gestern gab es immer noch keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Chefarzt Dr. Luc Turmes den früheren Leiter der „Entwöhnungsstation“, den Psychotherapeuten Hans-Jörg Lütger­horst, tatsächlich unmenschlich behandelt hat. Ob ihn sein Chef mit einem Frosch verglichen hat, „den man nicht nur in heißes Wasser werfen darf, sondern regelrecht garkochen müsse“. Darauf kam es letztlich juristisch nicht an.

Am Ende dieses Marathonstreites stand wie fast immer in solchen Fällen ein Vergleich mit Magengrummeln auf beiden Seiten. Kläger Lütgerhorst erreichte, dass der Klinikchef eine Entschädigung in Höhe von 4750 Euro an die gemeinnützige Südafrika-Hilfe zahlt, die sich um Aidskranke bei Johannesburg kümmert. Der inzwischen pensionierte Kläger (65) hat dort selbst schon ehrenamtlich gearbeitet, weiß also, dass dies Geld einem guten Zweck dient.

Seine steuerabzugsfähige Spende erleichterte es Chefarzt Dr. Turmes, den Fall zu beerdigen. Der 54-Jährige wollte seine Ruhe haben und nicht möglicherweise noch eine weitere Prozessrunde in der Berufungsinstanz beim Landesarbeitsgericht Hamm durchstehen. „Eins hat der Kläger geschafft, er hat mir viel Zeit gestohlen. Und davon habe ich am wenigsten“, kommentierte er den Prozessverlauf. Als Gegenleistung für die Spende ließ sich der Klinikchef zusichern, dass der Kläger seine Mobbing-Vorwürfe nicht mehr aufrecht erhält.

Fast wäre der Vergleich noch gescheitert, als der Psychotherapeut das Gericht fragte, wem er denn nun noch sagen dürfe, dass er sich von Turmes gemobbt fühlte. Verletzte Seelen kann man halt nicht so leicht in Watte packen. Außer seinem engsten Familienkreis dürfe er eigentlich nur noch erklären, dass der Streit beigelegt sei gegen Zahlung einer Spende und er die Vorwürfe deshalb zurückgenommen habe. Notfalls müsse er ansonsten mit einer Unterlassungsklage Dr. Turmes’ rechnen, klärte ihn die Richterin auf.

Die Vorsitzende hatte verdeutlicht, dass die Klage gegen den LWL kaum Erfolgsaussichten besaß. Ein Organisationsverschulden des LWL konnte sie nicht erkennen, quasi also eine Duldung oder gar Unterstützung der Mobbing-Aktionen. Der verklagte Mediziner behauptete hinterher gar, sein damaliger Vorgesetzter, der mittlerweile pensionierte LWL-Direktor Schäfer, habe ihn wegen Lütger­horst unter Druck gesetzt.

Blieb für den Kläger also nur noch der Chefarzt als Gegner übrig. Und da war es fraglich, ob der Psychotherapeut nicht zu lange mit seiner Klage gewartet hatte.

Eindeutige Gewinner der Auseinandersetzung sind nur die Anwälte. Für die Gebührenberechnung bezifferte das Gericht den Streitwert auf 55 000 Euro.