Busse bleiben abends leer

Können Taxibusse abends eine Alternative für die Fahrten zwischen Recklinghausen und Sinsen sein? Und wenn ja, was würde das kosten? Diese Fragen soll die Vestische der Politik noch beantworten, bevor eine Entscheidung über die Einstellung der Linie 220 nach 22 Uhr fällt.

Marl.. Statistisch will ein Sinsener nur alle vier Tage nach 22 Uhr nach Recklinghausen fahren. Nur alle zwei Tage steigt jemand nach 22 Uhr in Recklinghausen in die Buslinie 220 und fährt bis Sinsen. Sagt Ralf Siemer. Der Leiter des Projektteams der Vestischen, das seit eineinhalb Jahren an einem Spätverkehrsnetz für den Busverkehr im Kreis tüftelt, verteidigte den Plan am Donnerstagabend im Marler Stadtplanungsausschuss.

Die Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf unsere Berichterstattung über die Absicht der Vestischen zeigt ein anderes Bild. 64 Prozent derer, die bisher an unserer Umfrage im Internet teilgenommen haben, halten es für wichtig, den direkten Busverkehr zwischen Sinsen und Recklinghausen auch abends aufrecht zu erhalten.

Doch bei der Politik zeigte die in der Statistik ausgewiesene geringe Resonanz Wirkung. Selbst Josef Heinen, Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtplanungsausschuss, regte nur noch vorsichtig an, man möge vielleicht noch einmal über die Linie 220 nachdenken. Als Kompromiss schlug er den Einsatz von Taxibussen auf der Linie vor.

Wie unsere Zeitung berichtete, hatte sich die SPD vorher vehement dafür ausgesprochen, im Interesse junger Leute den abendlichen Pendelverkehr zwischen Sinsen und der Kreisstadt zu erhalten. Doch lediglich Paul Wagner, Sprecher der Grünen-Wählergemeinschaft, blieb ebenso kompromisslos: "Wenn wir das Thema Öffentlicher Personennahverkehr allein dem Markt überlassen, fährt bald gar kein Bus mehr."

Wie berichtet sind der Hintergrund der Überlegungen schlicht die Kosten. Der Kreis und die Städte , die die Angebote der Vestischen mit knapp 20 Millionen Euro jährlich mitbezahlen, wollen finanziell entlastet werden. Da der Nachtverkehr in der Woche in Marl nur einen Anteil von 1,4 Prozent ausmacht, setzt hier die aktuelle Spar-Überlegung an.

Mit der Einstellung der direkten Busverbindungen von Sinsen nach Recklinghausen, sowie der nach Herten und Wulfen nach 22 Uhr will die Vestische im Jahr knapp 40 000 KiIometer streichen und die entsprechenden Betriebs- und Personalkosten. 70 000 Euro soll die Stadt dadurch jährlich sparen. Eine für die Ausschussmitglieder verlockende Zahl. Auch Bürgermeister Werner Arndt warb deshalb im Ausschuss dafür, den vorgelegten Plan so durchzuwinken. Damit die Umstellung ab Juni 2014 wirksam werden kann, soll der Kreistag im November endgültig beschließen. Erhoffte Einsparsumme kreisweit: 460 000 Euro.

Ob Marls Kämmerer Michael Dinklage im Haushalt allerdings tatsächlich 70 000 Euro sparen kann, blieb in der Ausschusssitzung unklar. Das sei der "Stand heute" betonte Ralf Siemer. Zunächst sei die Vestische von 100 000 Euro ausgegangen, die sich aber durch Veränderungen in anderen Städten reduziert hätten. Veränderungen an der Linie 220 müssten zudem mit der Stadt Recklinghausen abgestimmt werden. Deren Rat hat der Einstellung der Linie 220, die auch Speckhorn bedient, bereits zugestimmt.