Buntspecht-Küken werden bei der Ersatzmama groß

Das war so nicht gedacht: Als die Stadt Lünen kürzlich im Heideblümchenpark der Nachbarstadt vier Bäume fällte, fiel nicht nur Geäst zu Boden, sondern auch fünf Buntspechtküken. Die hat jetzt Jaqueline Sonntag von der Wildtierhilfe Waltrop in ihrer Obhut.

Waltrop.. Die Waltroper Tierfreundin füttert die erst zwei Wochen alten Vögel mit Insekten und versucht sie so durchzubringen. "Ich denke, die Überlebenschancen liegen bei 50:50", sagt sie.

Höhle gebaut

Am Dienstag hatte Peter Waldner die Spechte im Heideblümchenpark in Lünen-Alstedde entdeckt. Die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) hatten zuvor drei Birken und eine Robinie im Park gefällt. In einer der Birken hatte sich die Buntspechtfamilie eine Höhle gebaut und die Jungvögel ausgebrütet. Waldner informierte die Stadt, die Feuerwehr und auch die Tierschutzorganisation "Arche 90".

Tiere brauchen jetzt viel Pflege

Arche-Mitglieder kamen nach Alstedde und holten dann die Feuerwehr dazu. "Die Einsatzkräfte haben dann den Teil mit der Spechthöhle aus dem Baumstamm gesägt", teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. Die Tierschützer der Arche brachten die Jungvögel dann nach Waltrop, denn sie brauchen jetzt viel Pflege. "Am Boden hätten die Eltern ihre Jungvögel nicht mehr ernährt", sagt Sonntag. Dort würden zu viele natürliche Feinde der Spechte auf sie lauern, wie Marder oder Katzen.

Bäume hatten Gefahrenpotenzial

Aber warum mussten die Bäume überhaupt gefällt werden? Dazu sagte Stadtgrün-Mitarbeiter Hans-Rudolf Tintelott: "Die Bäume waren tot und drohten bei der nächsten kleinen Gewitterböe umzufallen. Da sie direkt an den Wegen standen und die Parkbesucher gefährdeten, mussten sie weg."
Das Vogelnest hoch oben in der Birke hatte Tintelott, der vor der Baumfällung selbst vor Ort war, nicht gesehen. "Ansonsten hätten wir anders reagiert und versucht, die Spechthöhle herauszuschneiden und an einem anderen Baum anzubringen."

In vier Wochen flügge - mit etwas Glück

Dann hätten die Altvögel ihre Jungen weiter versorgen können. So kümmert sich Jaqueline Sonntag nun um die Buntspecht-Küken. "Ich hoffe aber, dass ich sie zeitnah an einen Experten abgeben kann. Und mit etwas Glück schaffen sie es in vier Wochen, flügge zu werden."
Können die Vögel dann sicher und gut fliegen und sich selbst Nahrung besorgen, werden sie zurück in die Natur entlassen.