Beim Girls' Day begann Judith Kohnkes Karriere

Ihre berufliche Laufbahn begann beim Girls Day in Waltrop. Längst hat sie in einer Männerdomäne nicht nur Fuß gefasst, sondern richtig Furore gemacht. Judith Kohnke, geborene Spittler, ist wahrscheinlich Deutschlands jüngste Meisterin für Rohr-, Kanal- und Industrieservice.

Waltrop.. Sie ist gerade 25 und hat den Meister-Titel schon seit 2011 in der Tasche. Ihr Arbeitsplatz: die Unterwelt der Stadt Dortmund, die Abwasserbetriebe.

Mitgefahren auf dem Spülwagen

Im Jahr 2004 muss es wohl gewesen sein: Da entschied sich die Achtklässlerin Judith dafür, beim Girls’ Day in Waltrop ausgerechnet beim Thema Abwasser reinzuschnuppern. "Wir waren an der Kläranlage, und ich bin im Spülwagen mitgefahren", erinnert sie sich. Ihr war bald klar: Ich will nicht studieren. Das hier ist mein beruflicher Weg. Es folgten einschlägige Praktika in den Ferien, dreimal in Waltrop, später bei einer Firma für Kanal-Kameratechnik in Lünen, schließlich bei einem Spezialbetrieb für Rohrreinigung in Oberhausen. Sie bewarb sich bei der Stadt Dortmund, wurde sofort genommen. "Die waren ganz baff, dass ich die Voraussetzungen und die Ausbildungsinhalte genau kannte", sagt Judith Kohnke.

Ausbildung verkürzt

Heute pendelt sie aus Herten zur Arbeit nach Dortmund, hat aber immer noch viele private Bindungen in Waltrop. Sie verkürzte ihre Ausbildung, machte vorzeitig die Prüfung, meldete sich gleich zur Meisterschule an. An der Berufsschule war sie die einzige Frau unter 60 Männern. An der Meisterschule gab es immerhin ein paar Kolleginnen, die auch die Meisterprüfung ablegen wollten - alle allerdings älter als sie.
Heute hat sie mit Arbeitsvorbereitung zu tun. Das bedeutet: viel im Büro sitzen. Ein bisschen schade sei das, sagt Judith Kohnke. Denn das sei es ja gerade, was sie an ihrem Beruf so mochte: auf dem Saug-Spülwagen fahren, eine Kanal-Begehung machen.

Verstörende Erfahrungen

Inzwischen nimmt sie selbst auch Prüfungen ab. Und macht die bisweilen verstörende Erfahrung, dass besonders manche junge Männer mit Migrationshintergrund ihr auf ihre Fragen einfach keine Antwort geben, weil sie meinen, in diesem Beruf habe eine Frau nichts zu suchen.
Den Respekt der männlichen Kollegen, mit denen sie zusammenarbeitet, hat sie sich hingegen längst erworben. Und für Maja Wolt vom Kinder- und Jugendbüro ist sie ein tolles Beispiel dafür, was sich aus einem Girls-Day-Praktikum so alles entwickeln kann.