Barocksaal-Fresko wird auf Restaurierung vorbereitet

Das ist gerade nichts für zarte Nerven. Im Barocksaal des Hertener Schlosses zersägen die Restauratoren der Paderborner Firma ars colendi die Decke mit dem Fresko, das um das Jahr 1700 herum entstanden ist. 21 Segmente werden geschnitten. Vier sind bereits abgelöst.

Herten.. Mitte Januar begann die Vorbereitung. Von allen Arbeiten ist die Demontage der Decke die größte Herausforderung, sagen die Restauratoren. Sebastian Haase von "ars colendi": "Die Decke heil runterzukriegen ist die Hauptsache."

Bisher läuft alles nach Plan, hieß es gestern. Die Demontagearbeiten sollen Mitte oder Ende März abgeschlossen sein. Danach bringen Trockenbauer eine provisorische Decke ein, sodass der Barocksaal ab April wieder genutzt werden kann.

Das in "Scheiben" geschnittene Deckenfresko wird anschließend in einem großen Sicherungstransport an den Firmensitz Paderborn gebracht, um dort in der Restauratorenwerkstatt weiter bearbeitet zu werden. Ein Jahr dauert die "Kur" des Gemäldes samt Unterbau. Im März 2016 soll das Deckenfresko wieder an Ort und Stelle im Barocksaal des Schlosses sein.

Heinz Augustin, Kaufmännischer Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), spricht von einer "großen Aufgabe" und meint damit bei weitem nicht nur die Fläche des Freskos. Das ist etwa 176 Quadratmeter groß.Über die Hälfte zeigt deutliche Schäden, die demnächst beseitigt werden sollen. Beim Landschaftsverband geht man bisher von einem Kostenumfang von 272 000 Euro für die gut 300 Jahre alte Decke aus.

Die Ursache der Schäden, die bereits vor einigen Jahren auftraten, liegen im Unterbau des Deckenfreskos. Der wurde bei Restaurierungsarbeiten Ende der 70er-Jahre erneuert. Deckenstrahler, die Ende der 90er-Jahre kurzzeitig angebracht waren und die von ihnen ausgehende Hitze sollen dem Fresko den Schaden zugefügt haben. Das Styropor im Unterbau des Freskos habe auf die Hitze reagiert und zu Rissen in der Malerei geführt.
Das Fresko im Barocksaal ist auf eine Unterkonstruktion aufgebracht, die aus mehreren Schichten besteht. Die Betrachter sehen ausschließlich die Malerei, die den Abschluss der Schichtungen ausmacht.

Aufgebaut war die Unterkonstruktion nach Information der Restauratoren Leynhardt Bosch und Sebastian Haase folgendermaßen: Rigips und Epoxidharz wurden auf die Trägerkonstruktion aus einer Schicht Wellpappe und einer Schicht Styropor aufgetragen. Darüber kam der Kalkputz mit der Malerei. Um bei der Abnahme der Decke nun die Malerei zu schützen, wurde sie mit einer Lage Rohbaumwolle (Nessel) gesichert.
In der Restauratorenwerkstatt wird die Unterkonstruktion komplett erneuert. Durch andere Materialien wird die Decke insgesamt leichter, sodass Sebastian Haase und Leynhardt Bosch auch davon ausgehen, dass die Montage der Decke schneller vonstattengeht.
Figuren und Geländer
Das Deckenfresko im Barocksaal (oder Festsaal) des Hertener Schlosses entstand um das Jahr 1700. Es zeigt figürliche Darstellungen aus der griechischen Mythologie. Diese wiederum sind eingerahmt von architektonischen Elementen wie Geländern mit Verzierungen.
-Die größten Flächen mit der Malerei werden in der Werkstatt in Paderborn restauriert. Die Feinarbeiten, wie das Kitten der Nähte, Retouchieren und Angleichen werden im kommenden Jahr vor Ort durchgeführt, wenn die Decke wieder an ihrem Platz im Schloss ist.
-Die Fresko- oder Frischmalerei (aus dem Italienischen: a fresco "ins Frische") ist eine Form der Wandmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung des Kalkes werden die Pigmente stabil in den Putz eingebunden. Fachleute nennen den Vorgang Einsinterung. Das fertige Wand- oder Deckenbild wird das Fresko genannt.