Altar statt Amtsstube

Ludger Schneider (53) darf standesamtlich und kirchlich vermählen. Bevor der gebürtige Siegener das Priesterseminar besuchte, machte er Karriere bei der Kommunalverwaltung, leitete zum Schluss in Harsewinkel Bürgerbüro und Standesamt. Das Bürgermeisteramt rückte in greifbare Nähe, bis der damals 34-Jährige sein Leben umkrempelte und Priester wurde. Ludger Schneider wird neuer Pfarrer in St. Amandus.

Datteln.. In einem katholischen Elternhaus mit zwei Geschwistern aufgewachsen, engagierte der junge Ludger Schneider sich schon früh in der Kirche. In seiner Heimatgemeinde St. Michael war er Messdiener, prägte die Jugendarbeit und war Pfarrgemeinderatsmitglied. Er habe damals aber nicht den Wunsch verspürt, Priester zu werden, sagt er.

Nach der Realschule begann seine Berufs-Laufbahn bei der Kommunalverwaltung der Gemeinde Netphen, wenige Kilometer von seiner Geburtsstadt Siegen entfernt. An der Abendschule holte er das Abitur nach, stieg vom mittleren in den gehobenen Verwaltungsdienst auf. Der Stadtinspektor durchlief alle Ämter und Abteilungen der Gemeinde.

Es war der Wunsch, "etwas Neues zu machen", der ihn Jahre später ins münsterländische Harsewinkel verschlug. Dort leitete er das Standesamt und Bürgerbüro.

1995 veränderte er nach 16 Jahren Amt sein Leben erneut. "Es gab kein Paulus-Erlebnis, etwas das ausschlaggebend für meine Entscheidung war. Ich habe mich nur gefragt, ob das jetzt mein Weg ist?" Zwei Jahre stellte sein Arbeitgeber ihn für das Münsteraner Priesterseminar frei. Und er blieb am Ball, "hatte seine neue Aufgabe in der Kirche gefunden" und tauschte Amtsschreibtisch gegen Altar.

Nach seiner Priesterweihe (2003) war er Kaplan in Alpen (Kreis Wesel) und wechselte vier Jahre später auf die andere Rheinseite und trat in Dingden und Loikum eine Pfarrerstelle an.

2013 stand auch am Niederrhein eine große Fusion an, aus fünf kleineren wurde die jetzige Gemeinde Maria Frieden Hamminkeln. "Ich weiß, wo bei Fusionen der Schuh drückt", sagt Ludger Schneider, der am 16. August offiziell in Datteln in sein neues Amt als Pfarrer von St. Amandus eingeführt wird.

Von der Kanalstadt kannte er nur die B 235, die er als Alternativroute nach Münster nahm. "Es ist der Geburtsort von Bischof Lettmann", sagt Schneider. Ansonsten ist die Kanalstadt für ihn Neuland, aber "Neues" anzugehen, das mag er.

Zunächst möchte sich der 53-Jährige, der Krimis und klassische Musik mag, Zeit nehmen, um die Gemeinde kennenzulernen. "Dann müssen wir gucken, wie wir den Menschen von heute das Evangelium lebendig lassen werden."

Übrigens: Getraut wird nur noch am Altar.