Abrahamsfest zeigt die Vielfalt des Glaubens

Beim Abrahamsfest werden nach den Ferien Künstler aus drei Kulturkreisen viele Impulse geben. Sie werden bei einer Ausstellung im Rathaus ihre Sicht auf Glauben und Religion darstellen. Und sie regen Jugendliche aus Marls weiterführenden Schulen zur eigenen künstlerischen Auseinandersetzung an.

Marl.. Im Namen Abrahams, Stammvater der drei Weltreligionen, feiern Juden, Christen und Muslime in Marl jedes Jahr gemeinsam ein Fest. Es steht im Zeichen des friedlichen Dialogs.

Der Niederländer David Jablonowski, der Libanese Marwan Hamdan und der Belgier Anthony Nestel präsentieren im Rathaus "Bilder-Welten und Lebens-Räume". Diese Ausstellung vom 24. September bis zum 5. November werden auch Klassen der beiden Gesamtschulen, des Hans-Böckler-Kollegs und des Albert-Schweitzer-Geschwister-Scholl-Gymnasiums anschauen. Bei Besuchen in den Schulen haben die Künstler ihre Ideen vorgestellt und Anstöße gegeben. Nun sind sie gespannt, wie die Schüler sich inspirieren lassen.


Ihre Lehrer werden sie ermuntern, Collagen, Pantomimen oder eigene Videofilme zum Thema Abraham, Religion und Frieden zu entwickeln. Auch Debatten sind erwünscht. Gleich fünf Veranstaltungen im Rahmen des Abrahamsfestes werden Jugendliche und Erwachsene ins Gespräch bringen.


Auch Fußball-Fans haben einen Glauben


Für den Dialog stehen auch die drei Künstler bereit: Marwan Hamdan (35) ist während des Bürgerkriegs in Beirut aufgewachsen. Sein Vater ist Moslem, seine Mutter Christin. Beide lernten sich in der kommunistischen Partei kennen. Marwan Hamdan erfuhr, wie die Religion das Leben im Libanon prägt: "Niemand kann bürgerlich heiraten, ohne zur Kirche oder zum Scheich zu gehen." Hamdan war zeitweise Kommunist, trat dann aus der Partei aus. Aus Sicht des jungen Video-Künstlers trägt auch der Kommunismus Züge eines Glaubenssystems, ebenso der Fußball-Fanatismus.


Der Niederländer und Christ David Jablonowski (33) hat bereits beim Marler Video-Kunst-Preis 2014 eine Arbeit ausgestellt. In seinem neuen Werk will er das schnelllebige Internet und dessen Bilderwelt mit den Hieroglyphen und Schriftzeichen archaischer Tontafeln kombinieren: "Informationen werden im modernen Datenverkehr genauso verkauft wie früher eine Ähre Korn", sagt der Niederländer. Als Tutor gründete er in Amsterdam "De Ateliers" - Ateliers, in denen Künstler zusammen leben und einander Denkanstöße geben.


Auch der Jude Anthony Nestel (28) lebt dort. Er ist in Antwerpen als Sohn jüdisch-orthodoxer Eltern aufgewachsen, hat sich an der Spitze einer zionistischen Jugendbewegung für eine Ein-Staaten-Lösung und das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern eingesetzt. Anthony Nestel interessiert sich dafür, wie Gruppen eine Identität bilden - und wie Religionen Menschen zum Glauben bringen: "Es geht um Manipulation. Vielleicht ist alles manipulativ." Der junge Belgier plant fürs Marler Rathaus eine Arbeit über eine exklusive jüdische Glaubensgemeinschaft in Uganda, die eigene Wege geht. Während der Ruhrtriennale belebt er mit zwölf Künstlerkollegen verwaiste, leer stehende Ladenlokale im Ruhrgebiet. Motto: "Kunst statt Leerstand".

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