"Abenteuer" Pflegekind

Das Leben mit Pflegekind wird "bunter". Darüber sind sich die Fachleute des "Netzwerks Pflegefamilien Recklinghausen/Ruhrgebiet" einig. Sie suchen noch dringend weitere Menschen, die sich auf dieses "Abenteuer" einlassen.

Recklinghausen.. Liebe, Geborgenheit und die Chance auf ein gutes Leben: Genau das ist es, was die Experten des Netzwerks den Jungen und Mädchen versprechen. Rund 50 "besondere" Kinder und Jugendliche betreut das achtköpfige Team von der Herner Straße 47 aus. Dort hat es vor einem halben Jahr Räume in einer ehemaligen Fensterfabrik bezogen.

Doch in der Regel sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterwegs. Sie stehen den Familien bei, die sich für ein Pflegekind entschieden haben. Oder sie beraten und schulen jene, die es noch wagen. "Denn es ist harte Arbeit und eine Herausforderung. Schließlich besitzen diese Jungen und Mädchen eine Geschichte. Sie haben ihr Päckchen zu tragen. Aber es lohnt sich. Es ist eine spannende und schöne Aufgabe", weiß Diplom-Sozialpädagoge Alfred Streubel.

Seit fünf Jahren gibt es den Standort Recklinghausen/Ruhrgebiet nun schon. Was in einem kleinen Büro in Hochlar begann, setzt sich jetzt auf mehr als 300 Quadratmetern im Süden der Innenstadt fort. Das Netzwerk hat sich mit seinen Modellen auf beeinträchtigte Kinder spezialisiert. "Sie haben teils Schlimmes durchgemacht, bevor sie aus ihrer Notsituation befreit wurden", erzählt Streubel weiter. Die leiblichen Eltern konnten ihnen keinen guten Start ins Leben geben: vernachlässigt, geschlagen oder gar sexuell missbraucht - das hinterlässt Spuren. "Sie zeigen häufig ein gestörtes Verhalten, sind in ihrer Entwicklung verzögert oder behindert", erklärt der Sozialpädagoge. Im Bereich "Diagnostik in Familien" ist er einer der ersten Ansprechpartner, die eine kurzzeitige Bereitschaftspflege organisieren. "Das sind meistens dramatische Situationen. Das Kind ist daheim nicht mehr sicher, und das Jugendamt muss schnell handeln", so Streubel.

Ein langfristiges Zuhause finden die Jungen und Mädchen anschließend in einer "Westfälischen Pflegefamilie". "Das ist eine echte Chance. Dort bauen sie Vertrauen auf, erhalten all das, was sie schon von Beginn ihres Lebens an benötigt hätten", sagt Diplom-Heilpädagoge Mark Schuppert. Die Suche nach diesen neuen Eltern ist allerdings schwierig. Aber es gibt sie: Paare, deren Nachwuchs groß geworden ist, Menschen, die etwas Gutes tun möchten, Frauen, die selbst keine Kinder bekommen können. Auch mit 50 Jahren sind die Bewerber nicht zu alt. Gleichgeschlechtliche Paare sind ebenfalls willkommen. "Das klassische Familienbild gibt es doch schon lange nicht mehr. Wir sind froh über jeden Interessenten und prüfen individuell, denn der Bedarf ist riesig", betont Schuppert einmal mehr. Sonst bleibe vielfach nur das Heim als Alternative.

Die Experten sprechen mit den zukünftigen Eltern offen über mögliche Probleme. "Die aber nicht zwangsläufig auftreten müssen", so Schuppert. Im Gegenteil: Die neue Familie bewirke oft Wunder. "Die Kinder blühen auf, entwickeln sich, machen ungeahnte Fortschritte. Das lässt manch schwierige Situation vergessen", berichtet der Heilpädagoge.
Wer Interesse hat, sollte sich im Netzwerk-Büro melden: Tel. 02361/40650.

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