Zum Schülerpraktikum von Langenberg nach Indien

Gerodete Flächen werden mit neuen Urwaldbäumen wieder aufgeforstet: Lya-Marie Martens (re.).
Gerodete Flächen werden mit neuen Urwaldbäumen wieder aufgeforstet: Lya-Marie Martens (re.).
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Acht Schüler der Klasse 11 der freien Waldorfschule Windrather Talschule halfen beim Wiederaufforsten des „Sadhana-Urwalds“ in Tamil Nadu. Die Arbeiten sind Natur- und Sozialprojekte

Langenberg..  Zunächst war ein Projekt in Gambia angedacht, das jedoch wegen der Ebola-Gefahr abgesagt wurde. Acht Schüler, ein Ehemaliger und Lehrer Ramon Diaz haben nun im Rahmen eines vierwöchigen Schülerpraktikums eine wirklich weite und abenteuerliche Reise erlebt: sie sind in den Süden Indiens gereist, um sich dort bei einem Umweltprojekt nützlich zu machen. Jedes Jahr gibt es in der Windrather Talschule (WTS) für die Schüler der Klasse 11 eine solche Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.

Im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu waren einst die Franzosen Kolonialherren und haben den „ever green tropical forest“, den uralten Tropenwald, derart ausgebeutet, dass das Land buchstäblich verwüstete. Zeitweise war dadurch das Trinkwasser rar. Die Wiederaufforstung seitens der indischen Behörden ging zwar schon in den 1970er Jahren los, allerdings blieb und bleibt noch viel zu tun.

Müll ist dort überall sichtbar

Die 2003 gegründete Gemeinschaft „Sadhana-Forest“ in der Nähe von Pondicherry, einst Verwaltungszentrum der Franzosen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Bäume zu pflanzen und auch die Wassergewinnung- und Konservierung in diesem Gebiet zu fördern, so dass nicht nur der Flora und Fauna, sondern auch den hier lebenden Menschen wieder annehmbare Lebensverhältnisse geschaffen werden.

Die Gründer dieser Initiative, Aviran und Jorit Rozin aus Israel, ihre zwei Kinder und acht Helfer leben hier und organisierten auch den Aufenthalt der Waldorfschüler. In den Monsun-freien Zeiten kommen bis zu 100 freiwillige Helfer aus der ganzen Welt hierher, um diesem Umweltziel zu dienen. Dabei trägt jeder die eigenen Reisekosten und zahlt umgerechnet ca. 150 Euro fürs Essen, die Unterkunft ist kostenlos.

Was war also die praktische Arbeit, die zu leisten war? „Wir haben Bäume gepflanzt und die Dämme zur Wassergewinnung angehäuft und festgestampft“ sagt zum Beispiel Adrian Kurtz. „Das war nicht wirklich anstrengend, zumal die Arbeitseinsätze nur immer im Vormittagsbereich waren. Am Nachmittag hatten wir auch viel freie Zeit.“

Eva Jordan und Mathis Schlevogt haben in dieser „anderen Welt“ das Thema Müll besonders klar wahrgenommen. „Wir hier,“ so Eva, „verstecken den Müll sozusagen auf großen Halden, dort ist er einfach sichtbar. Das hängt aber auch mit den moderneren Verpackungen zusammen. Früher aß man seine Mahlzeiten aus Palmblättern, heute gibt es auch hier sehr viel Plastik.“ Umweltbewusstsein ist in diesem Praktikum ein zentrales Thema, das sich hautnah und sehr lebensnah an diesem südlichsten Zipfel Indiens erleben lässt.

„Das indische Essen ist sehr lecker“, meint Lya-Marie Martens: viel Gemüse und sehr wenig Fleisch. Schon ist die nächste Diskussion unter den Schülern angeregt. Wie gehen wir hier mit Tieren um? Massenbetriebe arbeiteten nicht unter dem Gesichtspunkt artgerechter Tierhaltung, ganz zu schweigen vom Einsatz gesundheitsschädlicher Futterzusätze.

Praktikumswochen in der WTS sind eben nicht einfach so Schnupperwochen im gängigen Arbeitsmarkt, es geht vor allem darum, einen eigenen Standpunkt und einen Sinn für die künftige berufliche Laufbahn und das Leben zu finden.

Am kommenden Montag, 23. Februar, werden die weit gereisten Praktikanten ab 18 Uhr im Deilbachsaal von ihren Erfahrungen den anderen Schülern und interessierten Gästen erzählen.