Zum Girls Day in die Werkstatt bei Lueg in Tönisheide

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Was wir bereits wissen
Die beiden Siebtklässlerinnen Sarah und Franziska schauen sich am Girls Day die Werkstatt des Tönisheider Autohauses Lueg an. Der Jobwunsch der beiden geht aber in eine andere Richtung.

Neviges..  Es riecht nach Öl. Hinten im Werkstattraum leuchtet es grell auf – ein Schweißgerät. Es riecht auch nach Gummi, Reifen liegen neben einer Hebebühne parat. Mechaniker und Mechatroniker in blauen Latzhosen sind geschäftig unterwegs, kriechen unter Autos, schrauben, schmieren. Und dazwischen Sarah und Franziska.

Die beiden Siebtklässlerinnen sind einen Tag zu Besuch bei Mercedes Lueg in Tönisheide, nutzen den Girls Day, um mal in einen typischen „Männerberuf“ reinzuschnuppern. Dass das Klischee stimmt, bestätigt Marc Voss, Teamleiter der Lueg-Niederlassung: „Es gibt nur ganz wenige Bewerbungen von Frauen für die technischen Berufe bei uns.“ Und wenn dann doch mal welche dabei sind, „dann ist es fast sicher, dass die den Job auch bekommen.“

Reifendruck prüfen

Sarah und Franziska sind an diesem Tag vor allem zum Beobachten da, „denn mitwerkeln wäre etwas kompliziert, schon aus versicherungstechnischen Gründen“, sagt Voss. Vor allem für Sarah, Schülerin am Gymnasium Langenberg, ist die Werkstatt kein fremder Ort. „Mein Vater schraubt gerne an Autos, der hat auch mehrere. Und da helfe ich schon mal mit, lackiere zum Beispiel Teile oder so.“ Und so schlug der Vater denn auch vor, dass sie sich für den Girls Day mal in einer Autowerkstatt umschaut. „Wir haben dann im Internet gesehen, dass Lueg dabei ist und uns sofort angemeldet.“

Franziska ist auch über das Internet auf das Angebot der Werkstatt an der Nevigeser Straße aufmerksam geworden – allerdings direkt über den Auftritt des Girls Day. „Mich interessiert einfach, wie man Autos repariert, zum Beispiel den Motor. Oder wie Beulen entfernt werden.“

Dass sie nicht selber mit anpacken dürfen, finden die beiden aber nicht ganz so schlimm. „Wir haben uns das schon gedacht“, sagt Franziska, die in die siebte Klasse am Gymnasium Wülfrath geht. „Es wäre ja blöd, wenn wir an einem Auto was kaputt machen würden.“ Immerhin: „Kleinigkeiten lassen wir die beiden schon machen“, sagt Teamleiter Voss. Reifendruck prüfen zum Beispiel. „Gesehen haben wir aber schon eine ganze Menge“, erzählt Sarah. „Zum Beispiel wie ein Reifen gewechselt wird oder wie eine Stoßstange ausgetauscht wird.“

Seit mindestens zehn Jahren beteiligt sich das Tönisheider Autohaus am Girls Day, „und ich finde diese Aktion sehr wichtig“, betont Marc Voss. „So können die Schülerinnen in den Job des Mechanikers oder Mechatronikers reinschnuppern.“ Und, da ist Voss sich sicher, „ein Tag reicht oft schon um zu sehen, ob einem der Job liegt oder auch nicht.“ Dass sich so wenig Frauen auf die technischen Berufe bewerben, will er aber gar nicht am Geschlecht festmachen: „Im Handwerk generell werden Azubis gesucht. Ich glaube, dass heutzutage viele junge Leute lieber den Weg über Abitur und Studium gehen. Ein handwerklicher Beruf wird eher selten ins Auge gefasst.“

Begonnen hat der Girls Day für Sarah und Franziska um 8 Uhr morgens – „fast wie in der Schule“, sagen die beiden lachend. Allerdings geht so ein Arbeitstag auch bis 16 Uhr, was zumindest Sarah eher als Ausschlusskriterium betrachtet: „Ich finde die Zeiten nicht so toll, meine Mutter arbeitet zum Beispiel im Schichtdienst. Da hat sie entweder den ganzen Vormittag oder den ganzen Nachmittag Zeit.“

Astronomin oder Archäologin

Ob die beiden bald als Auszubildende in einer Werkstatt stehen werden, steht nicht fest. Sarah würde eigentlich lieber „Astronomin oder Archäologin“ werden, Franziska lieber einen sozialen Beruf anstreben. Immerhin, sagt Sarah und lacht, „kann ich meinem Papa jetzt sagen, was er falsch macht.“