Zitter- und Verlustpartie
30.09.2011 | 18:12 Uhr 2011-09-30T18:12:55+0200
Ein solch anhaltend stabiles Hoch, wie es zurzeit einen Altweibersommer vom Feinsten beschert, das hätten die heimischen Landwirte prima zur Erntezeit gebrauchen können. Schließlich müssen sie stets mit dem Wetter arbeiten. Und da die „Erntefenster“ äußerst rar waren, wurde häufig gleich die ganze Nacht durchgearbeitet.
Das Frühjahr geriet viel zu warm und trocken, und der Sommer 2011 war zu großen Teilen gerade mal ein gefühlter, viel zu nasser Herbst. „Die Extreme werden von Jahr zu Jahr schlimmer“, findet Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, und erzählt: „Die Ernte war eine Zitter- und Verlustpartie.“
Unterm Strich seien die Mitglieder der Kreisbauernschaft heuer mit dem Ertrag ihrer Arbeit allenfalls „durchschnittlich zufrieden“, sähen sie sich als „knapp mit einem blauen Auge davongekommen“. Wobei die Bilanz aufgrund der sehr unterschiedlichen Topographie und Bodenbeschaffenheit bzw. -güte höchst unterschiedlich ausfällt. „Vor allem im bergischen Raum hat es schon traurige Gesichter bei der Ernte gegeben“, berichtet Karl Bröcker.
„Mit den Unbilden des Wetters kommen wir ja noch zurecht“, meint der stv. Kreisvorsitzende und Kreislandwirt, „mit der Politik ist das oft schon schwieriger.“ Und schwenkt alsbald zum Thema Flächenfraß über. Hierzu hätte die Kreisbauernschaft wohl kaum einen geeigneteren Ort für ihre alljährliche Erntebilanz auswählen können als den Schimmershof in Ratingen.
Fast ringsum wird das schmucke, sichtlich gepflegte Gehöft der Familie Johannes Paas, das einst – und das ist erst wenige Jahrzehnte her – in freier Landschaft lag, von modernen Hotels, Bürogebäuden und Firmen „bedrängt“. Bis sie auf dem Feld sind, müssen Senior und Junior Paas mitunter eine geschlagene Stunde Anfahrt in Kauf nehmen.
Umso größere Hoffnungen setzen die Landwirte auf die kürzlich mit dem Kreis Mettmann getroffene Kooperationsvereinbarung, stets früh miteinander ins Gespräch zu kommen, möglichst landwirtschaftsverträgliche Kompensationsmaßnahmen auszuwählen und – etwa bei der Ausweisung von Gewerbeflächen – die interkommunale Zusammenarbeit und Abstimmung zu fördern. Alles, „um den exorbitanten Flächenfraß zu stoppen“, der so manchem Bauern buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht. Im Schnitt sind nur 30 Prozent der Fläche bäuerlicher Besitz, der Löwenanteil hingegen ist lediglich gepachtet.
Sage und schreibe 220 Hektar „besten Boden und bestes Ackerland“ koste der nur neun Kilometer lange Lückenschluss der A 44, rechnen die Interessenvertreter vor. Man sei ja prinzipiell klar für den Bau und halte ihn für sinnvoll, betont Karl Bröcker, habe aber allergrößtes Verständnis für alle Kollegen, die sich dagegen auflehnten. Ordentlich vergrätzt und enttäuscht äußern sich Kreisbauernschaft und Kammer nämlich über die „Dickköpfigkeit von Straßen NRW“: „Die ziehen das Ding einfach durch.“ Man habe dem Landesbetrieb Straßenbau einige konstruktive Vorschläge zum Vorgehen und zu möglichen Alternativen unterbreitet. Auf ein Signal, dass Straßen NRW überhaupt den Willen zur Zusammenarbeit habe, warte man jedoch immer noch vergeblich.
17:30
es ist doch vollkommen wurscht wie das Wetter ist - die Bauern stöhnen immer...