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25 Jahre Gesamtschule...

Zeitzeugen erinnern sich an die Gründung

16.09.2011 | 15:20 Uhr
Zeitzeugen erinnern sich an die Gründung
Ein Blick zurück: Vor 25 Jahren wurde die Gesamtschule Velbert gegründet. Foto: H.W. Rieck

Velbert.Die heißen Diskussionen der vergangenen Monate um die Einrichtung einer zweiten städtischen Gesamtschule waren ein Klacks im Vergleich zum Aufruhr, der vor 25 Jahren angesichts der Gründung der ersten Gesamtschule Velberts herrschte: Tausende gingen damals auf die Straße. „Der Schulfriede war nachhaltig gestört“, bringt es Heinz Schemken (CDU), seinerzeit Stellvertretender Bürgermeister, auf den Punkt.

Dabei entzündete sich der Streit 1986 gar nicht so sehr an der Gründung einer Gesamtschule als solcher. Umstritten war in erster Linie der Standort an der Poststraße, an dem seinerzeit noch das Geschwister-Scholl-Gymnasium beheimatet war. „Der Elternwille für eine Gesamtschule war da“, erinnert sich der heute 76-jährige Schemken. „Nur waren wir als CDU nicht davon zu überzeugen, das Gymnasium in den westlichen Teil Velberts außerhalb des Zentrums zu verlegen.“

Entscheidung fiel mit der rot-grünen Mehrheit

Den Christdemokraten fehlte jedoch genau ein Sitz im Rat, und so fiel die Entscheidung mit den Stimmen der rot-grünen Mehrheit für den Standort Poststraße. „Diese Entscheidung konnten wir nicht mittragen, wollten aber keinen ideologischen Schulkampf führen“, sagt Schemken, der im Prinzip auch nichts gegen die Einrichtung einer Gesamtschule hatte. „Aber die Stimmung wurde durch die Standortfrage vergiftet.“

Für die neue Schule sei das eine schwere Belastung gewesen: „Sie hatte es schwer, dabei hätte sie eine bessere Atmosphäre verdient.“ Nicht nur das Kollegium, sondern auch Eltern und Schüler hätten große Schwierigkeiten gehabt, mit der Situation fertig zu werden. „Damals wurde empfindlich in das damalige Schulgefüge eingegriffen“, kommentiert Heinz Schemken. „Den Schulfrieden zu zerstören ist ein großes Problem, weil so etwas tief in die Gesellschaft hineingeht. Und in Velbert war er zerstört.“

Dabei, sagt Schemken im Rückblick, hätte man auch eine andere Lösung suchen – und finden – können. „Eine Gesamtschule hat ja auch eine zentrale Bedeutung, weil alle Abschlüsse möglich sind, aber man hätte auch einen anderen zentralen Standort finden können. Letztlich habe die Entscheidung, wie sie damals gefallen sein, für die Gesamtschule aber auch einen positiven Effekt gehabt: „Sie hatte sofort einen guten Standort, während das Gymnasium verdrängt wurde.“

Bei Eduard Neumer spürt man noch heute die Verbitterung

Wenn man Eduard Neumer, seinerzeit Rektor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, auf das Jahr 1986 anspricht, spürt man noch heute seine Verbitterung. „Ich war sogar so verbittert, dass ich von Velbert wegwollte“, sagt der heute 86-Jährige. „Die Entscheidung im Rat hat mich nicht nur gekränkt, ich hatte auch kein Verständnis dafür.“ Der Oberstudiendirektor zog damals seine Konsequenzen und trat aus der SPD aus. „Das war für mich ein riesiger Bruch.“

In Velbert ist Eduard Neumer aber geblieben, hat das Gymnasium bis zu seiner Pensionierung 1989 geleitet: Eltern und Kollegen hatten ihn bestürmt zu bleiben. „Und ich wollte keine Fahnenflucht begehen und die Schule kaputt gehen lassen.“ Darum, ist Neumer heute noch überzeugt, sei es nämlich letztlich gegangen: das Gymnasium kaputt zu machen. „Dass sie das nicht geschafft haben, war für mich eine persönliche Genugtuung und hat mir einen Teil meiner Bitterkeit genommen.“

Trotz der „nahezu hysterischen Atmosphäre“, die damals in Velbert geherrscht habe, war es Eduard Neumer wichtig, „dass das Nebeneinander von Gymnasiasten und Gesamtschülern nicht durch die politische Diskussion tangiert wird“. Zu diesem Zweck habe er sich mehrfach mit Gesamtschulleiter Gerd Schäfers, Elternschaft und Schülervertretung zusammengesetzt. „Und ich glaube, das ist uns gelungen.“

Dennoch ist Neumer noch heute überzeugt: „Wenn man es damals gewollt hätte, hätte man die Gesamtschule auch am heutigen Standort der Pestalozzi-Schule realisieren können – und das hätte nicht mehr gekostet als die Anbauten an der Poststraße.“ Aber 1986 sei es nicht in erster Linie um die Sache gegangen: „Damals war politische Mordlust im Spiel.“

Annette Wenzig

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