Wochenende der Nachwuchs-Rocker in Velbert

Die männliche Note in der von Girlpower geprägten Band Cuckoo aus Solingen.
Die männliche Note in der von Girlpower geprägten Band Cuckoo aus Solingen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Birth gab’s gleich zwei Bühnen für Jungbands: Grenzland-Wettbewerbund die Erste Große Rocknacht im BiLo

Velbert..  Jungrocker brauchen vor allem eins: Bühnenerfahrung. Am Wochenende hatten sie in Birth sogar zwei Bühnen, am Freitag in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) und am Samstag direkt gegenüber im Stadtteilzentrum BiLo. So fand am Freitag der Auftakt zum „Grenzland“-Wettbewerb im GSG statt. Das bergische Nachwuchsförder-Projekt „Grenzland“ organisiert nach dem Vorbild der US-Roadshows der 1950er eine Wettbewerbs-Tournee durch fünf Städte, nach Velbert folgen Remscheid, Solingen, Wuppertal und Radevormwald.

Abgedrehte Liedtexte

Aus 30 Bewerbern hatten sich fünf Bands (darunter Capture Tomorrow aus Velbert, Porträt unten) qualifiziert, um die Gunst des Publikums zu erobern. Zahlende Gäste durften anschließend für die zwei besten abstimmen. Bei „Grenzland“ glänzten dabei vor allem die Mädchen. „Wir hatten ‘ne Setlist, die haben wir jetzt nicht mehr, deswegen machen wir jetzt irgendwie“, war etwa die erste Ansage der Band Cuckoo, angeführt von Lina Holzrichter. Die Band, die am 3. Februar auch im Kölner Wettbewerb „School Jam“ um einen Auftritt auf dem Hurricane Festival spielen wird, brachte dann Girlpower-Rock à la Veruca Salt auf die Bühne, ziemlich nach vorne, mit optimistischen Riffs und zum Teil mit erkennbarem Willen zur Komposition. Diametral entgegengesetzt kam da mit Akustik-Gitarre, E-Bass und Cajon Svenja Schimmelpfennig aus Radevormwald. Mit Kindfrau-Look und einer Stimme zwischen Junge und Engel wirkt die 17-Jährige selber schon wie aus mehreren Welten zusammengesetzt. In ihrem langsamen, auf Abgründigkeit bedachten Songwriter-Pop reimt sie dann auch gerne mal „Wir küssen gut“ auf „Ich huste Blut“ oder sagt ein Lied über „eine Fossiliensammlerin aus dem 18. Jahrhundert“ an. Der Auftritt, bei dem sie ihre Stimmregister weit ausfährt, war so geschliffen wie die Saiten ihrer Gitarre. Wer beim „Grenzland“ gewinnt, entscheidet sich erst nach dem letzten Konzert am 24. Januar im Wuppertaler Gymnasium Vohwinkel.

Auf der 1. Großen Rocknacht am Samstag im Stadtteilzentrum BiLo ging es nicht darum, einen Gewinner zu küren, sondern jungen Bands aus Velbert und Umgebung eine Bühne zu bieten. Für Mitorganisator Thorsten Nagel von der Velberter Band Timeout ein wichtiger Lückenschluss in punkto Auftrittsmöglichkeiten für lokale Jungbands. Zuerst trat die Velberter Punkband „Silence is the Enemy“ (Porträt unten) mit Covern und eigenen Songs auf, beides rockten sie recht rücksichtslos. Als Zweite enterten die Wülfrather „In Control“ die Bühne. Mit einer Art Beth-Ditto-Frontfrau (Verena Lenhart) und einem redseligen Jack Sparrow (Florian Springenberg) am Schlagzeug coverten sie sich durch den Rock-Olymp. Zu „Nothing Else Matters“, das am besten ankam, holten sie sich Gesangsverstärkung vom dritten Act des Abends, den neu formierten Altrockern von „Death Game“. Die traten dann, weil es sie erst seit November 2014 gibt, „um den Druck rauszunehmen“, laut Plakat im Rahmen einer öffentlichen Probe auf. 101 verkaufte Eintrittskarten hatten die Organisatoren der 1. Großen BiLo-Rocknacht als Zielmarke gesetzt, um von einem Erfolg zu sprechen. Und das BiLo war voll an diesem Abend. Es ist also wahrscheinlich, dass es auch eine zweite geben wird. Bands dafür werden gesucht. Interessierte können sich mit Demo und Bandinfo bei Annette Hapich melden.