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Wie angewurzelt

13.02.2008 | 17:46 Uhr

Keine Angst vor großen Hunden - im Kindergarten Wichtelland war gestern Tierpsychologin Susanne Kellich mit Schäferhündin Joice zu Gast

Gebannt sitzen die Kinder des Kindergartens Wichtelland auf der Turnhallen-Bank. Die Tierpsychologin Susanne Kellich ist gerade mit ihrer Schäferhündin Joice zu Gast, um den Kleinen den Umgang mit dem besten Freund des Menschen näher zu bringen.

Susanne Kellich hält einen Stock in der Hand und demonstriert, wie hoch die Vierbeiner springen können. Während einige der kleinen Zuhörer mit großen Augen nach vorne gebeugt dem Schauspiel folgen, klammert sich Ben an die Bank. Als später Joice gefüttert werden soll, klebt Ben immer noch auf seinen Platz. "Es bringt nichts, wenn ich ihn dann dazu zwinge", sagt die Tierpsychologin mit Blick auf den kleinen Jungen. Auch bei einigen anderen reicht der Mut nicht, sich aus der Hand fressen zu lassen. Scheu werfen sie das Leckerli Joice entgegen. "Das ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich, es kommt auf den Hintergrund der Kinder an", erklärt Kellich. Daher verfolgt die Psychologin zwei völlig konträre Ziele. Während bei der einen Gruppe die Angst vor den Hunden genommen werden soll, muss bei anderen erst Übermut abgebaut werden.

"Was macht ihr, wenn ihr jemanden lieb habt?", fragt Susanne Kellich die Kinder. "Schmusen", ruft Rebekka in den Raum. Die zweifache Mutter nimmt daraufhin Joice in den Arm. Die Hündin dreht sich demonstrativ mit dem Kopf zur Seite. "Die mag das nicht", erkennt die Gruppe schnell. Susanne Kellich erklärt, wie es richtig geht: "Lasst euch erst an der Hand beschnuppern, kommt dann in einem Bogen und streichelt den Hund an der Seite." Sieben Mutige stehen auf und probieren es. Immer wieder stoppt die Leiterin die Kinder und erklärt ihnen nochmal alles Schritt für Schritt.

Die wichtigste Lektion folgt kurz darauf. Susanne Kellich fordert die Jungs und Mädchen auf, wild herumzuspringen und sobald sie "Baum" ruft, wie ein ebensolcher auf der Stelle zu verharren. Schäferhündin Joice läuft, als die Kinder hüpfen und schreien, völlig aufgeschreckt durch den Raum und bellt laut. Sobald sie still stehen, ist auch Joice sofort wieder beruhigt. "Was macht ihr also, wenn ein Hund aufgeregt auf euch zukommt?", fragt Susanne Kellich. "Wir stehen angewurzelt wie ein Baum", schallt es im Chor.

Das wird auch Ben behalten haben. Die Angst vor den Vierbeinern konnte aber auch die Tierpsychologin ihm in den 45 Minuten, die ihr zur Verfügung standen, nicht nehmen.

Von Thorsten Miloszewski

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