Wenn Schüler zu Schlägern werden
15.02.2012 | 17:02 Uhr 2012-02-15T17:02:00+0100
Berichte über Jugendgruppen, die sich gegenseitig provozieren, alkoholisierte Kids, die herumpöbeln oder Schüler, die sich mittels der neuen Medien das Leben schwer machen werfen die Frage auf, ob generell die Gewaltbereitschaft unserer Heranwachsenden gestiegen ist.
Berichte über Jugendgruppen, die sich gegenseitig provozieren, alkoholisierte Kids, die herumpöbeln oder Schüler, die sich mittels der neuen Medien das Leben schwer machen werfen die Frage auf, ob generell die Gewaltbereitschaft unserer Heranwachsenden gestiegen ist.
Einer, der das wissen muss, ist Erich Dreke. Seit 1959 ist er als Streetworker mit seinem blauen Bus im Stadtgebiet unterwegs. „Ob die Gewaltbereitschaft nach außen hin gestiegen ist, kann ich nicht sagen, was aber mit Sicherheit schlimmer geworden ist, ist die Gewaltbereitschaft untereinander.“ So würden die Jugendlichen zum einen schneller aggressiv, zum anderen nehmen Provokationen zu, über die gewaltbereite Kids bestimmte Reaktionen erreichen wollten. „Wenn dann noch Alkohol mit im Spiel ist, wird schnell geschubst und gepöbelt.“
Und noch eine Veränderung hat der Streetworker beobachtet: „Mädchen sind dabei häufig viel aggressiver als Jungs, sie schlagen schneller zu und sind dabei erschreckend brutal“, stellt der aus dem Boxsport kommende Jugendarbeiter fest und ergänzt: „In dieser Frage ist die Gleichberechtigung längst erreicht.“
Als Ursachen macht er vor allem zwei Hauptübel aus: „Viele Kinder fühlen sich zu Hause nicht wohl, gehen darum auf die Straße und werden darüber hinaus überall durch die Medien mit Gewalt konfrontiert, sei es auf ihrem Computer, dem Handy oder dem iPod.
Um der Entstehung von Gewalt unter Jugendlichen bereits früh entgegenzuwirken, bietet die Jugendschutzabteilung der Stadt zusammen mit Jugendzentren Seminare zu diesem Themenbereich bereits für Grundschulen an. So berichtet Stefanie Ritterskamp vom Jugendzentrum Langenberg von einem gerade an der Grundschule an der Frohn-straße durchgeführtem Projekt: „Über vier, fünf Wochen, jeweils für eine Stunde, kommen die Schüler zu uns, mit dem Ziel, ihren Klassenzusammenhalt zu stärken.“ Dabei sollen die Kinder sich und die Ursachen für Konflikte besser kennen lernen und Lösungen für schwierige Probleme finden. Sie hat beobachtet, dass die Anwendung von Gewalt auch schon bei Kindern in diesem Alter ein Thema ist. „Gerade in der Grundschule, wo die Emotionen noch raus müssen, sind tätliche Übergriffe sehr häufig zu beobachten.“
Die wichtigste Gegenmaßnahme sei, die Kinder herausfinden zu lassen, wer sie sind und vor allem, wer ihr Gegenüber ist. „Sie lernen, andere so zu akzeptieren wie sie sind und sich vor allem gegenseitig zu respektieren.“ Um das zu erreichen, werden Rollenspiele durchgeführt und Aufgaben gestellt, bei denen kooperiert werden muss.
Auch an der Städtischen Gesamtschule setzt man früh auf Gewaltprävention. „Wir haben bereits ab der fünften Klasse wöchentlichen Unterricht im Fach Soziales Lernen’“, erläutert Schulleiterin Antje Häusler. „Dabei soll das Selbstwertgefühl gesteigert werden.“ Später, in Klasse sieben, steht eine so genannte Sucht- und Drogenfahrt mit entsprechenden Präventionsmaßnahmen auf dem Programm. Und auch die neuen Medien sind von Anfang an Thema. „Der richtige Umgang mit den Sozialen Netzwerken – was hinterlässt Spuren, wie kann ich mich gegen Mobbing wehren – Bereiche, die zum Unterrichtsinhalt gehören.“
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